Hallo Welt!

Heute starte ich mein Blog-Tagebuch „Mein kleines Haus“! Ups, ich trau mich… Warum eigentlich? Ich hatte mal einen Traum… Als Kind wollte ich unbedingt irgendwann einmal in einem alten Bauernhaus mit anderen Menschen (die nicht unbedingt meine Familie sein müssen…) als Selbstversorgerin leben. Im Bioladen unserer Kleinstadt (ja, sowas gab es schon in den 80er Jahren…) habe ich mir Bücher über Selbstversorgung gekauft, damals schon mit Stoffbinden experimentiert und alle meine Schulhefte aus recyceltem Papier gekauft (was mir regelmäßig Ärger mit meinen LehrerInnen eingebracht hat…). Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich allein die Welt wohl nicht retten kann und wenn alle anderen einfach nicht mitmachen, warum schränke ich mich dann eigentlich ein? Bin ich denn bescheuert? Meine Haltung war „ganz oder gar nicht“ und „ganz“ war einfach für mich nicht durchzuhalten… So schloss sich dann eine Phase an, in der mir alles ziemlich schnuppe war. Ich hab bei Aldi eingekauft (kein Bio…) und bei H&M (keine Fair-Trade-Klamotten…) und hatte kein schlechtes Gewissen. Meinen Kindheitstraum vom „guten Leben“ mit anderen in einem alten Bauernhaus habe ich schlichtweg einfach „vergessen“. In meinem Leben waren damals, mit Anfang Zwanzig, andere Sachen wichtiger.

Ich habe angefangen Architektur zu studieren. Ich wusste schon damals, dass ich gar nicht als Architektin arbeiten wollte (viel zu stressig, langwierige Projekte, schwierige Bauherrn, dafür bin ich viel zu ungeduldig…), aber Architektur hat mich begeistert. Lebensräume zu gestalten war mein Antrieb: Die (Lebens)Bedingungen für Menschen besser zu machen. Das Studium war mit die beste Zeit meines Lebens! Ich habe vor allem viel über mich gelernt. Das ich wahnsinnig gut bin, wenn ich weiß wofür. Wenn das, was ich da tue, Sinn macht. Auch wenn ich heute in dem Bereich nicht mehr tätig bin, hat mich das Studium sehr geprägt. Hier habe ich meinen Partner kennengelernt. Hier habe ich erfahren, wie schön es sein kann, UnterstüzerInnen und MutmacherInnen zu haben, die an einen glauben.

Danach kam eine Phase, die mich, wenn ich ehrlich bin, überhaupt nicht glücklich gemacht hat: Der Einstieg ins „Berufsleben“. Ich hab vieles ausprobiert und meine Erfahrungen gemacht. Aber nichts hat mich wirklich erfüllt. Nichts hat mich so richtig „brennen lassen“, nur „ausbrennen“… Ich bin im Job nie wieder in diesen Flow gekommen, den ich im Studium so oft erlebt habe. Wenn ich morgens um 8 Uhr direkt aus dem Bett zum Schreibtisch musste, weil ich im Halbschlaf schon eine Idee hatte, und abends immer noch im Schlafanzug vorm Rechner saß. So, wie man als Kind die Zeit im Spiel vergisst… Das habe ich – zumindest beruflich – nur selten erlebt. Nach einigen Phasen des „Ausgebrannt-Seins“, der Erschöpfung und auch Depression, schlichen sich immer öfter Gedanken ein wie: „Das soll es jetzt gewesen sein? Geht das jetzt immer so weiter? Ist DAS Erwachsen-Sein? Will ich so wirklich leben?“ Immer wieder höre ich von anderen Sätze wie: „Ja, aber das Leben ist doch kein Wunschkonzert.  Hier kann sich nicht jeder aussuchen, was er machen will. Man muss schon erst mal was leisten, bis man sich was gönnen darf.“

Um es kurz zu machen: Ich war in den letzten Jahren in meinem (Arbeits)Leben nie so richtig glücklich und bin es auch jetzt nicht. Es muss sich etwas ändern. Die Zeit ist reif zu springen. Etwas tobt in mir und will endlich raus. Ich glaube, das ist meine Lebensfreude… Die klopft immer häufiger mal an und fragt: „Kommst Du raus zum Spielen?“ – „Nö“, sag ich. Irgendwas ist ja immer… Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da weiß man, dass es so nicht weitergeht. Das man dann auch gleich tot sein könnte. Weil man ja nicht so lebt, wie es für einen vorgesehen ist. Ich glaube ganz fest daran, dass jeder Mensch, ja, jedes Wesen, mit einer Aufgabe auf diese Welt kommt. Mit Talenten, mit Fähigkeiten, mit einer Berufung. Meine Berufung, meine Aufgabe in diesem Leben ist, und DAS weiß ich wenigstens schon mal, Menschen zu inspirieren und mein Wissen weiter zu geben. Andere zu begeistern. Ihnen den Müll in dieser Welt zu zeigen, und ihnen zu zeigen, dass es auch anders geht. Das, was meinem Leben Sinn gibt, ist, die Schönheit dieser Welt zu erhalten. Anderen zu zeigen, wie schön diese Welt ist, wie schön sie sein kann. Und Mut zu machen, seinen eigenen, noch so kleinen Beitrag zu leisten. Das ist das, was ich am besten kann. Das ist meine Aufgabe. Nur, ich lebe sie nicht allzu oft… viel zu selten… fast nie…

Ich weiß, ich muss raus. Raus auf die Bühne. Wie MEINE Bühne auch immer aussehen mag. Zum einen ist das die reale Bühne, wenn ich vor Menschen spreche,  über das Bauen mit Holz oder die Vision einer Welt ohne Müll. Wenn ich mich frage, wie denn MEINE Bühne wohl aussehen könnte, dann kommt immer ein Bild, in dem ich mit einer fahrenden Bühne von Marktplatz zu Marktplatz tingel, wie die Philosophen im alten Griechenland. Und dann denke ich: „Boah, bist Du vermessen! Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist? Meinst Du, dass interessiert irgendjemanden, was DU so denkst, was DU so zu sagen hast? Träum weiter!“  Wer bin ich, dass ich meine, großartig, brillant, weltverändernd, wichtig zu sein? Wer bin ich, zu meinen, dass ich mir einfach herausnehmen darf zu strahlen, mit all dem, was mich ausmacht, mit all dem, was das Leben mir geschenkt hat, damit ich meine Aufgabe in diesem Leben erfülle? Wer bin ich, dass ich glaube, wundervoll, leuchtend, begeisternd sein zu dürfen? – Wer bin ich denn, es nicht zu sein? Wem soll das nützen, wenn ich mich klein mache und verstecke? Niemandem… und mich macht es krank. Darum: Dieses Blog-Tagebuch!

Ich traue mich zu springen. Ich werde hier über meine Pläne, ein kleines Holzhäuschen zu bauen, schreiben, und damit auch über die große Frage: Wie will ich eigentlich leben? Und wenn es den einen oder die andere dazu inspiriert, sich auch mit den eigenen Wünschen, Träumen und Visionen – wie klein und „unbedeutend“ sie auch erscheinen mögen – zu beschäftigen, habe ich meine Aufgabe in diesem Leben schon wieder ein kleines bisschen mehr erfüllt…

Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben
für die Dinge, die du immer wolltest.
Tu sie jetzt.

PauloCoelho