Häuser wie Bäume, Städte wie Wälder

Stell Dir vor, wir lebten in Häusern, die so sind wie Bäume, und in Städten, die so sind wie Wälder… Wäre das nicht wunderbar? Stell Dir einen Kirschbaum vor. Gerade jetzt, im Frühling, in voller Blüte. Diese überbordende Fülle an tausenden rosafarbenen Blüten, die nach der Bestäubung auf den Boden fallen und da zu mehr Nährstoffen werden, als der Baum selbst braucht. Diese verschwenderische „Wegwerfmentalität“ vermüllt jedoch die Umwelt nicht, wie UNSERE Wegwerfgesellschaft es tut, sondern erhält sie am Leben: Vögel, Pflanzen, Boden – sie alle profitieren von der „Überproduktion“ des Kirschbaumes. Wäre es möglich, Häuser zu bauen, die ähnlich verschwenderisch sind? Häuser, die die Energie, die sich brauchen, selbst produzieren? Häuser, die keinen Sondermüll hinterlassen, so wie die aktuelle konventionelle Bauindustrie, sondern Abfall, der immer wieder zu Nährstoff wird? Häuser, die gesund sind für Mensch und Umwelt? Das ist die Idee von Cradle to Cradle, einem Konzept, bei dem wir Menschen mit unserer Konsum- und Wegwerfwirtschaft vom „Schädling“ zum „Nützling“ werden.

Wenn Du etwas verändern willst, musst Du träumen
Ich möchte Dir heute das Bauen mit Vollholz ausführlicher vorstellen, da ich sehr wahrscheinlich noch oft darüber schreiben werde. Ich bin bekennender Vollholzhausbau-Fan! Und besonders begeistert bin ich von den Bauprodukten der Firma Thoma aus Österreich. Ich habe bis heute keinen Massivholzhaushersteller kennengelernt, der eine ähnlich konsequente und bestechend einfache Philosophie verfolgt und lebt. Ich bin über das Buch „Für lange Zeit: Leben und Bauen mit Holz – Alte Weisheiten für moderne Technologien“ von Erwin Thoma über das Thema gestolpert und war von Anfang an Feuer und Flamme! Dann habe ich Erwin persönlich erlebt und kennengelernt auf der Architekturbiennale in Venedig. Er ist ein Träumer, ein Visionär, jemand, der was verändern will, einer, der meinen Traum, die Welt ein bisschen besser zu machen, schon lebt…  Darum heute ein etwas längerer Beitrag über das Bauen mit Massivholz und die Philosophie, die dahinter steht:

Bauen ohne Kompromisse
Es ist schon heute möglich, modernste Häuser zu bauen, die nicht nur frei von Schadstoffen, sondern darüber hinaus auch gesund für die darin lebenden Menschen und die Umwelt sein können. Die Firma Thoma aus Österreich baut seit 30 Jahren solche Häuser. Und mein kleines Holzhäuschen soll ja auch ein solches Holz100-Haus werden. Doch wie muss man sich das jetzt vorstellen?

Massivholz – Vorteile der einstofflichen Bauweise
Die massiven Elemente der Häuser bestehen zu 100% aus unbehandeltem Holz. Kreuzweise geschichtete Brettlagen aus Fichten- oder Kiefernholz werden mit getrockneten Buchenholzdübeln zu einem kompakten Bauelement verbunden. Während klassische Blockhäuser oder Holzständerbauten mit Klebern, Folien oder Schäumen abgesperrt und wärmegedämmt werden müssen, verzichtet Thoma vollständig auf Bauchemie wie Holzleime und Dämmschäume.

Mondholz – Holz in seiner besten Form
Auch Holzschutzmittel kommen nicht zum Einsatz, da Thoma nach alter Überlieferung ausschließlich Mondholz verwendet, also Holz, das zum „richtigen Zeitpunkt“ im Winter bei abnehmendem Mond geschlagen wird. Dieses Holz ist dichter, druckfester und auch abwehrender gegen eindringende Pilze und Insekten. Wer jetzt an Esoterik denkt, dem möchte ich das Buch „Die Bäume und das Unsichtbare: Erstaunliche Erkenntnisse aus der Forschung“ von Ernst Zürcher, Professor an der ETH Zürich, ans Herz legen, der das Thema wissenschaftlich aufgearbeitet hat.

Zeit ist Geld – Kurze Bauzeit
Thoma liefert die Fertigbauteile, die nach Plänen von ArchitektInnen im eigenen Werk produziert und von einem der mehr als 100 Partner-Betriebe montiert werden, direkt auf die Baustelle. Bei einem normalen Ein-Familien-Haus kann man rechnen: 3-4 Tage für die Produktion und 5-6 Tage für die Montage. Die Fassade kann dann je nach Geschmack mit Ziegeln, Putz oder Holzverschalung verkleidet werden.

„Atmend“  Wände – Massivholz ist diffusionsoffen
Der bauphysikalische Vorteil von Massivholz ist die einstoffliche Bauweise, eben 100% Holz – sonst nichts. Es gibt keine Dampfbremsen oder -sperren. Der Dampfdruck wird also nicht abrupt von einer Folienschicht abgefangen, sondern „sanft“ linear durch die ganze Masse, sprich das Holz, hindurch geleitet. Die Massivholzelemente sind dadurch wärmebrückenfrei und diffusionsoffen. Deshalb gibt Thoma für all seine Häuser eine 50-jährige Garantie auf Kondenswasser- und Schimmelfreiheit. Das kenne ich so von keinem anderen Bauprodukt.

Brandschutz – Massives Holz brennt nur schwer
Beliebte Frage bei meinen Vorträgen: „Was ist denn mit dem Brandschutz? Holz brennt doch so leicht…“ Fakt ist: Holz brennt nur dann gut, wenn es dünn und von Luft umspült ist. Wer schon einmal versucht hat, einen einzelnen dicken Holzklotz zum Brennen zu bringen, kann bestätigen, dass dieser nicht brennt, sondern nur langsam verkohlt. Und erstaunlicherweise hat Holz100 sogar eine drei- bis fünfmal höhere Brandsicherheit als Stahlbeton, Ziegeldecken oder Holzständerbauten und übertrifft somit jede Brandschutznorm. Auch nach fast 150 Minuten Beflammung  mit 900 – 1000°C ist volle statische Tragfähigkeit und Dichtheit gegeben. Massives Holz ist im Brandfall „berechenbarer“ als Stahl oder Stahlbeton: Durch Ausglühen von Eisenarmierungen können Gebäude ohne Vorwarnung zusammenstürzen. Holz100 kommt sogar als Brandschutzwand zum Einsatz!

Ökologisch Bauen
Die Bauwirtschaft produziert 60% des jährlichen Müllaufkommens weltweit. Der „Spiegel“ sprach 2014 von der „Volksverdämmung“. Seit 2016 gilt in Deutschland eine Wärmedämmung aus Polystyrol als gefährlicher Abfall (Sondermüll). Müllverbrennungsanlagen nehmen aktuell keine Styroporplatten mehr zur Entsorgung entgegen. Bauen mit Styropor ist sicher nicht die Zukunft…

Kreislaufwirtschaft – Bauen ohne Müll
Bauen mit reinem Holz bietet dagegen viele ökologische Vorteile: Es hat eine lange Lebensdauer. Mit Holz „vom richtigen Zeitpunkt“ und entsprechend konstruktivem Holzschutz können Holzbauten auch heute noch Jahrhunderte überdauern. Und wenn einem doch schon nach 50 Jahren das ererbte Häuschen von Oma nicht mehr gefällt, kann ein Holz100-Haus wieder in seine Einzelteile zurückgebaut werden und das gleiche Produkt, ein neues Haus, entsteht. So bleibt ein wertvolles Material für nachfolgende Generationen erhalten und muss nicht als Sondermüll teuer entsorgt werden. Abfall wird zu Nahrung – erinnere Dich an den Kirschbaum: Holz ist biologisch abbaubar und kann am Ende der Kaskadennutzung – solange keine verleimten oder chemisch behandelten Holzwerkstoffe verbaut wurden – zu Energie oder Kompost werden. Langfristig werden Städte und Häuser so zu Rohstoffquellen – Materialbanken – für die Zukunft. Der Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe ist unverzichtbar, vor allem, da viele andere Rohstoffe schon jetzt zur Neige gehen, wie z.B. Sand. Holz100 ist als Bauprodukt Cradle to Cradle Gold zertifiziert und erfüllt alle Cradle to Cradle Kriterien:

  • Abfall ist Nahrung
  • Nutze erneuerbare Energien
  • Zelebriere Vielfalt
  • Gesund für Mensch und Umwelt

Energieunabhängig Bauen
Wenn man über den Energieverbrauch eines Gebäudes spricht, geht es meist um den Energieverbrauch „im laufenden Betrieb“. Wichtig ist aber auch der Primärenergieaufwand, also die Energie, die bei der Herstellung verbraucht wird. Die Produktion von Holz100-Elementen ist so sparsam, dass mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Fabrik die gesamte Produktion betrieben werden kann. Der Energieaufwand zur Produktion von Holz100 ist ohnedies viel geringer als bei der Produktion von Beton, Ziegeln oder Leimbindern.

Wärmedämmung Passivhäuser ohne Styropor
Holz dämmt, speichert und puffert von Natur aus gleichermaßen perfekt. Eine Holz100-Thermowand dämmt durch die patentierte Konstruktion mit innenliegenden, hauchdünnen Luftschichten nochmals 20% besser als volles oder verleimtes Holz. Holz100-Häuser ermöglichen energieunabhängiges Wohnen in Passivhäusern ohne zusätzliche Dämmung und komplizierte Haustechnik. Um einen U-Wert von 0,2 – den Wert, der für Niedrigenergie-Häuser gilt – zu erreichen,  benötigt man im Vergleich:

  • 36,4 cm Holz100-Thermo
  • 60-70 cm massives Holz
  • 40-70 cm Ziegel
  • 920 cm Beton

Low-Tech-Haus – Holz als natürliche Klimaanlage
Ein Holz100-Haus verfügt über eine sich natürlich regulierende Klimaanlage, die dem naturreinen Holz innewohnt, wenn man es unbehandelt belässt. Es ist ohne zusätzliche Dämmung hundertprozentig warm im Winter und im Sommer kühlt es durch die große Speichermasse des Holzes, das durch seine „Trägheit“ Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen optimal ausgleicht. Ein Holz100-Haus kühlt im Winter z.B. deutlich langsamer aus als Vergleichs-Baustoffe:

  • Holzrahmenbau: 8-10 Stunden
  • Ziegelbau: 60-80 Stunden
  • Holz100 – 36er Wand: 280h

Gesund Bauen
Da wir den größten Teil unserer Zeit in Gebäuden verbringen, ist es von erheblicher Bedeutung, wie gesund- oder krankmachend die uns umgebenden Baustoffe sind. Aber auch Lärm beeinträchtigt unsere Lebensqualität und kann krank machen. Typische Folgen von dauerndem Lärm sind eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und eine höhere Krankheitsanfälligkeit.

Schallschutz – In der Ruhe liegt die Kraft
Mit zweischaligen Holz100-Wänden und entsprechenden Detaillösungen liegen die Werte weit über den Anforderungen der Schallschutznorm (für Holzbauten). Ebenso schirmen die Holzwände Hochfrequenzstrahlen ab, beispielsweise von Mobiltelefonmasten, sodass nur noch weniger als 25% der Strahlung in die Räume eindringen können.

Gesundheit – Bauen für den Menschen
Es gibt immer mehr gesundheitliche Beschwerden, deren Ursachen wahrscheinlich auf das unmittelbare Wohnumfeld zurückzuführen sind. Wohngifte gelten als mögliche Ursache für Allergien und andere Erkrankungen. Unbehandeltes Holz dagegen kann seine BewohnerInnen gesund machen und unsere Gesundheit dauerhaft erhalten. In einer Studie der technischen Universität Graz konnte gezeigt werden, dass Räume aus naturbelassenem Holz so beruhigend wirken, dass pro Nacht die Herzarbeit einer ganzen Stunde  (etwa 4000 Herzschläge) eingespart werden kann. Gleichzeitig werden sowohl Nervensystem als auch Immunsystem nachweisbar gestärkt. Außerdem ist Holz eines der hygienischsten Materialien: resistente Krankenhauskeime haben auf Holz nachweislich eine geringere Überlebenschance als auf jedem anderen Material! – Seitdem ich das weiß, benutze ich z.B. keine Küchenbretter aus Kunststoff mehr…

Diese und weitere Forschungsergebnisse zur gesundheitsfördernden Wirkung von Holz werden für alle, die es interessiert, im Buch „Die Sanfte Medizin der Bäume: Gesund leben mit altem und neuem Wissen“ von Erwin Thoma und Prof. Maximilian Moser von der TU Graz ausführlich dargestellt.

Klimaschutz – Holz als Kohlendioxidspeicher
Massive Holzhäuser wirken sich – neben dem geringen Energieverbrauch bei Herstellung und Betrieb – auch als massige Kohlendioxidspeicher positiv auf das Klima aus: Die Bäume, die für ein Holz100-Haus benötigt werden, nehmen im Laufe ihres Lebens in etwa so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf, wie z.B.  ich als Autofahrerin im Laufe meines gesamten Lebens durchschnittlich produziere. Eine Abholzung der Wälder muss dabei nicht befürchtet werden: Jährlich wächst in Deutschland etwa fünfmal mehr Holz nach, als theoretisch nötig wäre, um alle Ein- und Zwei-Familienhäuser, die pro Jahr gebaut werden, zu errichten.

Häuser wie Bäume sind…
…Häuser, die keinen Müll verursachen, sondern wertvoll für ihre Umgebung sind – sie gesünder und lebenswerter machen. Häuser, die sogar ihren eigenen Energiebedarf decken können. So wie die (Kirsch)Bäume es tun. Wie wäre es, wenn uns mehr solcher Gebäude umgeben würden, wenn wir in Städten lebten, die wie Wälder wären? “Häuser wie Bäume und Städte wie Wälder” ist keine romantische Zukunftsvision, es ist die geträumte Realität von Menschen wie Erwin Thoma…

 

Leben
einzeln und frei
wie ein Baum
und brüderlich wie ein Wald
ist unsere Sehnsucht

Nazim Hikmet (türkischer Dichter)

 

Links
Thoma – Holz100
Erwin Thoma – Film
Cradle to Cradle – Film