Mut heißt nicht, keine Angst zu haben…

„Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt, dass etwas wichtiger ist, als Angst.“ – Dieses Zitat aus dem „Oskar – Magazin für ein natürliches & autarkes Leben“ vom Wohnwagon-Team aus Österreich macht mir wieder Mut, meinen Weg hin zu meinem kleinen Häuschen weiter zu gehen. Denn es stimmt: Was hält mich eigentlich davon ab, meinen Traum nicht schon längst umgesetzt zu haben? Angst. Angst vor was? Im Nachhinein doch eine „falsche“ Entscheidung getroffen zu haben? Und dafür viel (zu viel) Geld ausgegeben zu haben? Eventuell doch unglücklich zu sein allein in meinem Häuschen? Mir selbst vielleicht doch etwas vorgemacht zu haben? – Warum fällt es mir so schwer, meiner Intuition, meinem Baugefühl zu trauenzu vertrauen? Eigentlich hat es mich noch nie ent-täuscht und doch fällt es mir so schwer, mich darauf zu verlassen… Das ist die Angst. Und was ist der Mut? Was macht mir Mut? – „Mut heißt, dass etwas wichtiger ist, als Angst.“ – Ja! Ich werde immer mutiger, wenn die Sehnsucht meinen Traum, meine Vision vom selbstbestimmten, autarken, unabhängigen Leben gemeinsam mit anderen endlich zu leben, in meinem Herzen immer wichtiger wird!

Zurzeit bin ich wieder ganz erfüllt davon und schaue mir gerade vier Anbieter von kleinen tiny Häuschen etwas genauer an. Es ist bisher noch keiner dabei, bei dem ich uneingeschränkt „Juchhu“ schreie, aber alle haben etwas, das ich gut finde. Wahrscheinlich muss ich einfach aus allen vier Ideen MEINS entwickeln…

Das „Smart House“
Vor zwei Wochen war ich bei Smart House, einem Anbieter, der seit 10 Jahren Fertighäuser in Modulbauweise herstellt, meistens in der Größenordnung 50-60 Quadratmeter. Es war interessant mal „in echt“ so ein Häuschen zu besichtigen. Ich habe zwar durch mein Architekturstudium ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, aber es ist doch immer noch etwas anderes, wenn man dann in so einem Raum steht. Da können 49 Quadratmeter doch anders wirken als in der Vorstellung… Bei Smart House stellen sie große Module in der Breite von 4,315 Metern (maximal sind 4,50 Meter in der Breite möglich) her. In der Länge variieren die Module von 7,00 Metern (Modul S mit 30 Quadratmetern) bis knapp 14,00 Metern (Modul XXL mit 49 Quadratmetern). Diese Einzelmodule werden mit einem Schwerlasttransporter (Transport ab 22 Uhr z.T. mit Begleitservice) zum Standort transportiert. Es ist auch möglich, Module herzustellen, die man mit einem normalen LKW transportieren kann, dann ist man in der möglichen Breite allerdings auf maximal 3,00 Meter Außenmaß eingeschränkt. Preislich liegt man schlüsselfertig bei der Variante mit ca. 45 Quadratmetern bei ca. 2.150 €/qm. Hier hat man dann eine konventionelle Ausrüstung mit allen Anschlüssen an das Wasser- und Abwassersystem sowie das Stromnetz. Smart House liefert ab Oberkante Fundament und auch alle erforderlichen Anschlüsse müssen vorbereitet sein.

Exkurs 1: Beton- oder Schraub-Pfahl-Fundament?
Streifen- oder Punktfundamente werden vom Hersteller empfohlen. Ich tendiere allerdings eher zu Schraub-Pfahl-Fundamenten, die mit einem Gewinde erschütterungsfrei in den Boden gedreht werden und den Untergrund dadurch seitlich verdrängen und so verdichten. Die Vorteile liegen für mich auf der Hand:

Ich brauche keinen Sand und auch keinen Kies
Wie ich ja schon in einem früheren Beitrag geschrieben habe, wird Sand schon jetzt zur Mangelware: Die Baubranche arbeitet am Limit, mehr geht nicht“, schreibt Bernd Freytag am 23. Februar 2018 in der FAZ […] „Das statistische Bundesamt meldet so dicke Auftragsbücher wie seit 21 Jahren nicht mehr. Dabei laufen die Betriebe schon unter Volllast und finden kaum noch neue Mitarbeiter. Nicht nur die personellen Ressourcen erschöpfen sich, auch materielle werden knapp. Sand und Kies, so merkwürdig es klingt, werden in Ballungsräumen zur Mangelware. Sand gibt es zwar wie der sprichwörtliche Sand am Meer, aber die Gruben kommen mit der Förderung nicht mehr nach. Und Erweiterungen, oder gar neue Gruben werden aus ökologischen Gründen nur noch selten genehmigt.“

Ich spare CO2 und schone das Klima
Bei Schraub-Pfahl-Fundamenten produziere ich keinen Beton und damit kaum CO2. Man muss sich mal vorstellen: „Der CO2-Jahresausstoß aller Airlines ist kaum halb so groß wie die CO2-Emission der weltweiten Betonproduktion. Pro Mensch und Jahr kommt ein Kubikmeter Beton in die Welt, und jede Tonne Beton verursacht rund 100 Kilogramm CO2-Müll. Ein ausgewachsener Baum braucht 10 Jahre, um diese Menge wieder zurück zu verwandeln“, schreibt Johann Dirscherl von der Deutschen Fundamentbaugesellschaft.

Weitere Vorteile:

  • Kurze Montagezeit
  • Keine aufwendigen Erdbau- und Betonierarbeiten
  • Fundamente sind sofort belastbar
  • Schneller Positionswechsel (Vorteil, wenn das Häuschen später einmal umgesetzt werden soll)
  • Das Umfeld bleibt im ursprünglichen Zustand erhalten (keine Flächenversiegelung)
  • Leicht rückstandslos rückbaubar und wiederverwertbar

Bei meinem Besuch bei Smart House ist mir noch mal klarer geworden, dass ich in jedem Fall ein Haus möchte, das schon mehr oder weniger fix und fertig ist. Man kann hier zwischen 3 Ausbauvarianten wählen:

  • Ausbauhaus
  • Bezugsfertig mit Eigenleistung
  • Schlüsselfertig

Für mich würde nur die schlüsselfertige Variante in Frage kommen: Das Haus schwebt mit dem Kran an seinen neuen Standort, ich schließe die Tür auf und ziehe ein. So soll es sein… Das macht das tiny Häuschen von Smart House ziemlich attraktiv für mich. Allerdings gibt es ein paar Punkte, die für mich schwierig sind und damit eher gegen ein kleines Häuschen dieses Herstellers sprechen, z.B. das Baumaterial:

Exkurs 2: Das Baumaterial
Die Häuser von Smart House werden in Holz-Ständer-Bauweise errichtet. Das ist nicht meine favorisierte Bauweise. Da ich auf Häuser in Massivholzbauweise von Thoma in Holz100 „stehe“, kann ich mich mit Holz-Ständer-Bau nur schwer anfreunden. Bei Smart House verwendet man zwar unbehandelter Fichte aus nachhaltiger Forstwirtschaft, füllt die Gefache allerdings mit 16 cm Mineralwolle.

Mineralwolle

  • gute Wärmedämmwirkung von λ = 0,032-0,045 W/mK
  • Dampfdiffusion µ 1
  • gute schalldämmende Wirkung
  • nicht brennbar.

Aber: Sie hat eine verheerende Ökobilanz, da für die Erzeugung ein hoher Primärenergieaufwand nötig ist. Zudem verliert Mineralwolle schnell ihre Dämmwirkung, wenn sie feucht wird.

Auf das Ständerwerk kommt bei Smart House dann eine 4 cm dicke Holzfaserplatte. Grundsätzlich erst mal ein „nachhaltiger“ Werkstoff. Aber auch hier muss man genau hinschauen:

Holzfaserplatten

  • gute Dämmwirkung von λ 0,04 – 0,05 W/mK
  • Dampfdiffussion μ 1-5
  • gute schalldämmende Wirkung
  • hervorragend für die diffusionsoffene Holzleichtbauweise

Die Holzfaserdämmplatte kann über 20% an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne ihre Dämmwirkung zu verlieren, damit besitzt sie auch hervorragende regulierende Eigenschaften.

Aber: Hier muss man ganz genau beim Hersteller erfragen, welches Herstellungsverfahren zum Einsatz kommt und welche Zusätze. Denn Holzfaserplatten können in zwei Verfahren hergestellt werden:

  • Beim Nassverfahren wird ein Holzfaserbrei hergestellt, der anschließend getrocknet wird. Hier sind die Dämmplatten unbedenklich, da i.d.R. keine Zusatzstoffe verwendet werden, allerdings benötigt dieses relativ viel Energie in der Produktion.
  • Beim Trockenverfahren kommt man zwar mit 40% weniger Energie aus, dafür wird dann für die Festigkeit Klebstoff verwendet. Hier sind Ausdünstungen möglich und auch in der Entsorgung habe ich kein reines Produkt mehr.

OSB-Platten
Zur Verkleidung des Holz-Ständer-Werks verwendet Smart House OSB-Platten (OSB = Oriented Stand Boards). Hier werden grobe Späne zu Platten verpresst. Als Ausgangsmaterial werden überwiegend Nadelhölzer wie Fichte und Kiefer benutzt. Der Anteil der verwendeten Klebstoffe beträgt ca. 3 bis 6 Prozent. Es werden Klebstoffe wie Melamin- oder Resorcin/Formaldehyd oder PMDI eingesetzt. Damit habe ich wieder einen Werkstoff, der aus einem „reinen“ wertvollen Naturmaterial (Holz) Sondermüll macht. Außerdem kann es sein, dass bei vermehrtem Einsatz die vorgegebenen Richtwerte was Schadstoff-Ausdünstungen angeht, um ein mehrfaches überschritten werden (siehe unten Filmbeitrag ZDF Länderspiegel).

Sicherlich kann man beim Hersteller auf Wunsch auch andere – ökologischere und „gesündere“ Materialien bekommen, aber ich schaue mich erstmal noch bei anderen Anbietern um, die vielleicht schon grundsätzlich eine „grünere“ Philosophie vertreten. Auch bin ich noch nicht sicher, wie „mobil“ ich letztendlich eigentlich wirklich sein will. Will ich wirklich in Modulbauweise bauen? Damit ist ein Transport an einen anderen Standort zwar möglich, aber mit einem höheren Aufwand verbunden als bei einem kleinen Haus auf Rädern, das man relativ unaufwändig von A nach B transportieren kann. Dann habe ich allerdings weniger Platz zur Verfügung. Das muss ich noch genauer abwägen und das kann ich nur, wenn ich mir auch andere Häuser anschaue.

Die „Mobilie“ von Thoma
Warum habe ich mir überhaupt einen anderen Anbieter angeschaut? Ich bin doch immer noch absolut überzeugt vom Bauen mit Massivholz! Es ist mit all seinen Vorzügen für mich immer noch die „richtige“ Wahl. Aber: Beim Bau eines kleinen Hauses bin ich mir noch nicht so sicher, ob das Bauen mit massivem – massigem – Holz, wirklich auch die „beste“ Wahl ist… Mit der Mobilie ist es zwar möglich, modular zu bauen und damit einzelne Module aneinanderzusetzen. Aber mir ist noch nicht so ganz klar, wie das letztendlich konkret ausgeführt wird und wie einfach so ein Häuschen zu einem späteren Zeitpunkt wieder auseinander gebaut werden kann und wie unkompliziert man es transportieren kann.

Dazu kommt, dass wirklich massive Holzwände (30-36 cm), beim denen ich keine zusätzliche Dämmung brauche, auf Grund der eingeschränkten möglichen Breite von 3,00 Metern Außenmaß nicht möglich sind. Und damit habe ich dann auch nicht den vollen Vorteil der hervorragenden Dämmeigenschaften von massivem Holz. Eine maximale Breite von 4,00 Metern – und damit auch dickere Wände –  ist zwar machbar, aber dadurch wird ein Modul natürlich auch sehr schwer. Für den Transport (als Schwertransport) ist dies sicherlich nicht unbedingt ein Problem. Das Gewicht ist aber auf der Baustelle oft das Problem, da es nicht viele Kräne gibt, die so schwere Module über eine gewisse Distanz heben können. Ein einziges Modul, so groß wie bei Smart House, mit einer Größe bis zu 49 Quadratmetern ist mit Holz100 also nicht umsetzbar. Hier bleibt nur das Häuschen aus mehreren kleineren Modulen zusammenzusetzen, was es eben in der Planung aufwändiger macht und auch bei der Umsetzung an mögliche spätere Standorte. Hier muss ich noch weitere Gespräche führen, vor allem mit Thomas Scheimer vom Zinipi. Der baut gerade einen Zinipi Wagen und der kann mir sicher einige meiner Fragen beantworten. Vom Preis her liegt man hier bei einem 3er-Modul mit ca. 54 Quadratmetern bei ca. 2.300 €/qm. Hier kommt aber sicher noch der Innenausbau, Möblierung und eventuell eine Autarkie-Ausrüstung dazu.

Der autarke „Wohnwagon“
In der Zwischenzeit habe ich einfach mal weiter recherchiert und bin auf den Wohnwagon gestoßen. Dies ist im Prinzip ein Wohnwagen aus Holz. Alles so natürlich wie möglich. Das Charmante an diesem Tiny House ist für mich, dass man mit dem Wohnwagon fast komplett autark leben kann: Stromversorgung mit Photovoltaik, Heizung und Warmwasser mit Solarthermie und Holzofen, Abwasser-Unabhängigkeit durch eigene Pflanzenkläranlage auf dem Dach, autarkes Internet sowie eine Bio-Toilette, die nebenbei noch wunderbare Erde erzeugt (Terra Preta). Ich bin schwer begeistert und würde am liebsten sofort einziehen! Aber – auch hier gibt es ein „Aber“: Hier habe ich ziemlich wenig Platz und muss mich von meinen 49 Quadratmetern verabschieden… Der größte Wohnwagon mit ausziehbarem Erker hat mit 27 Quadratmetern eben deutlich weniger Fläche und Raum, als z.B. das XXL-Modul von SmartHouse. Hier macht es Sinn, ihn auch komplett mit eigens angefertigten Möbeln ausstatten zu lassen, um so viel Stauraum wie möglich zu bekommen. Alle Beispiele im Internet sind sehr geschmackvoll und individuell gestaltet. Wie gesagt – am liebsten möchte ich gleich einziehen! Aber das bedeutet eben auch, dass ich meine eigenen Möbel definitiv nicht mitnehmen kann. Es sind zwar nicht so viele, an denen mein Herz hängt, aber die sind mir dafür besonders wichtig: Mein großes Bett aus massivem Zirbenholz, mein ziemlich großer ovaler Esstisch aus Nussbaum und mein kleines Leder-Sofa… Entweder, ich komme hinterher doch zu einem Grundriss, bei dem ich alle drei Dinge mitnehmen kann, oder es ist noch mehr „Loslassen“ angesagt, als ohnehin schon ansteht bei der ganzen Reduziererei auf das Wesentliche, das man in einem Tiny House noch braucht…

Außerdem ist ein Umzug wesentlich problemloser durchzuführen als bei den „großen“ kleinen Häusern von Smart House oder Thoma, da man zum einen kein Fundament braucht und zum anderen das Häuschen als Ganzes auf einen LKW laden kann ohne es vorher auseinanderbauen zu müssen, da es auf Rädern steht. Neben dem sehr komprimierten Platzangebot ist ein weiterer Wehrmutstropfen bei dieser Lösung der Preis für die große, ausgebaute, autarke Variante… da sind etwas über 4.800 €/qm doch recht üppig. Da weiß ich noch nicht, ob ich dazu bereit bin… Aber ich werde ein erstes Gespräch mit den Herstellern auf der „Green World Tour“ in Münster Anfang Oktober führen. Da kann man auch eine kleine Variante des Wohnwagons besichtigen. Dazu plane ich im Nov./Dez. in einem der großen Modelle mal zur Probe zu wohnen. Die Jahreszeit ist perfekt dafür: Wenn ich es in DIESER Zeit darin aushalte und mich wohlfühle, dann wohl auch zu allen anderen Jahreszeiten…

Baumaterialien – Die Zweite
Holz
Für den gesamten Aufbau des Wohnwagons wird regional verfügbares Holz verwendet. Nur das Fahrgestell ist aus Metall, darauf kommt die Staffelkonstruktion aus Fichtenholz. Die Außenverschalung wird mit einer Lärchenfassade realisiert. Lärchenholz enthält von Natur aus viele Harze und Öle und ist damit vor Witterung geschützt und vergraut mit der Zeit.  Für die Innenverkleidung wird eine natürlich aufgehellte Fichtenverschalung mit Lehmputz kombiniert.

Schafwolle
Als Dämmstoff ist Schafwolle das Material der Wahl. Durch seine hervorragenden Dämmeigenschaften schützt die Schafwolle vor Kälte und Hitze und sorgt für ein gesundes Raumklima. Schafwolle baut Schadstoffe in der Luft ab und bringt die natürliche Raumluft zum Zirkulieren. Schafwolle reguliert auch die Feuchtigkeit im Raum – bis zu 30% des Eigengewichts kann sie an Feuchtigkeit aufnehmen ohne die Dämmeigenschaften zu verändern. Der nachwachsende Rohstoff braucht in der Herstellung besonders wenig Energie, auch die Entsorgung ist einfach und umweltfreundlich. In der Produktion wird die Schafwolle zuerst mit Kernseife und Soda gewaschen, um Verschmutzungen und überschüssiges Wollfett zu entfernen und dann mit Sulcofuron (Harnstoff) behandelt, da Schafwolle leider nicht „motten- und käferecht“ ist. Durch einen sehr hohen Flammpunkt (560) wird meist kein Flammschutz eingesetzt. Danach wird das ganze ohne Bindemittel vernadelt.

  • sehr gute Wärmeeigenschaft mit λ 0,036 – 0,045 W/mK
  • Dampfdiffusion von μ 1 (entspricht der Raumluft)
  • kann 1/3 an Feuchtigkeit aufnehmen bei gleichen Dämmwerten
  • tolle Wiederverwertbarkeit

Lehmputz
Lehmputz verfügt über beste Temperaturspeicherfähigkeiten, wirkt feuchtigkeitsregulierend und ist zudem das Baumaterial mit der geringsten Herstellungsenergie – gut für den ökologischen Fußabdruck des Wagens. Lehm bindet Schadstoffe und Gerüche. Das Material ist kompostierbar, recyclebar, sowie unbegrenzt und lokal verfügbar.

Der „Wohlwagen“
Da ich ja so begeistert bin vom Wohnwagon, aber der Preis wahrscheinlich meine Möglichkeiten übersteigt, habe ich mich noch mal auf die Suche nach weiteren Alternativen gemacht und bin so auf den Wohlwagen gekommen. Er ist ähnlich wie der Wohnwagon auf Rädern und hat in der großen Variante auch einen ausfahrbaren Erker, ist im Preis aber deutlich niedriger: hier belaufen sich die Kosten bei der 27-Quadratmeter-Variante – auch autark und möbliert –  auf 2.700 €/qm. Das ist schon eine andere Hausnummer. Hier gilt es zu klären, worin sich die beiden Wagen in der Ausführung und Ausstattung genau unterscheiden. Auch hier werde ich mir in Göttingen mal ein Modell näher anschauen. Beim Wohlwagen finde ich noch spannend, dass es hier auch eine Doppel-Wagen-Variante inkl. Erker gibt, bei der dann ca. 46 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Hier gefällt mir auch der Grundriss von der Aufteilung her ziemlich gut. Und der Preis für diesen Doppelwagen liegt bei ca. 2.650 €/qm in der Vollausstattungsvariante. Vom Ambiente und von der Atmosphäre gefällt mir der Wohnwagon deutlich besser, aber der Preis für den Wohlwagen kommt mir und meinem Budget doch deutlich eher entgegen… Um hier eine Entscheidung treffen zu können, muss ich definitiv beide Varianten selbst mal erlebt und „bewohnt“ haben. Vielleicht trifft mein Bauch dann ganz von allein eine Entscheidung…

Baumaterialien – Die Dritte

Das Holz im Wohlwagen
Das Holz stammt aus umliegenden Wäldern aus streng nachhaltiger Forstwirtschaft. Daraus wird der gesamte Wagen incl. Fenster, Türen und Möbeln gefertigt.

Die Dämmung
Hier wird wahlweise mit Mineralwolle oder Schafschurwolle gearbeitet (Hinweise dazu siehe oben).

Weitere interessante Informationen

Anlieferung
Die Anlieferung frei Standplatz innerhalb Deutschlands ist in den Preisen enthalten. Das wird bei allen anderen Anbietern extra berechnet!

Aufstellung
Die erste Aufstellung des Wagens am Standplatz inklusive Inbetriebnahme und Einweisung ist in den Preisen enthalten. Danach bin ich laut Hersteller in der Lage, den Wagen allein zu bewegen. Der Standplatz sollte ebenerdig sein und einige Abstützpunkte bereithalten. Beton ist nicht notwendig.

Baugenehmigung
Grundsätzlich braucht man für ein Fahrzeug keine Baugenehmigung. Auf Anfrage bei der zuständigen Behörde vor Anschaffung eines Wagens wird man i.d.R. mit Bedenken, Vorbehalten und unklaren Aussagen konfrontiert werden. Der Wohlwagen lässt sich schlecht in die Baugesetze einordnen, da es sich weder um ein Bauwerk noch um ein zulassungspflichtiges Fahrzeug handelt. Wichtig ist auf jeden Fall die Meinung der Nachbarn zum geplanten Standplatz, denn einer nachbarschaftlichen Beschwerde müssen die Behörden nachgehen. Ohne Beschwerde ist eine behördliche Intervention sehr unwahrscheinlich (gleiches gilt wahrscheinlich auch für den Wohnwagon).

Zusammenfassung
Alle vier Varianten haben ihre Vorteile, jedoch gibt es bei allen auch Knackpunkte, wo ich noch intensiver recherchieren muss. Für mich ist die Smart-House-Variante allerdings die uninteressanteste, da hier keinerlei Angebote zum autarken Leben gemacht werden. Hier handelt es sich um eine konventionelle Lösung, die alle Annehmlichkeiten eines großen Hauses mitbringt. Darüber hinaus überzeugen mich die Materialien nicht. Vom Preis her, vom Aufwand und der „Einfachheit“ der Aufstellung und Inbetriebnahme ist diese Variante allerdings die „bequemste“.

Aber bequem kann ja jeder! Ich schwanke zurzeit noch zwischen den Vorteilen der Massivholzbauweise und dem individuell zu gestaltenden Grundriss der Mobilie (die wiederum nicht so bequem ist, auch bei einem möglichen Umzug nicht…), dem wunderschönen Ambiente, den überzeugenden ökologischen Ansätzen und dem ausgeklügelten Autarkie-Konzept des Wohnwagons (der wiederum vom qm-Preis fast doppelt so teuer ist wie alle anderen Varianten…) und dem tollen Raumangebot, der pfiffigen Innenraumausstattung und dem unschlagbaren Preis des Wohlwagens. Zum Glück muss ich mich ja nicht heute entscheiden…

Wie geht es nun weiter?
Auch wenn ich noch keinen konkreten Standort habe, so kann ich aber doch schon mit der Planung loslegen!

Schritt 1: Ein paar grundsätzliche Fragen zu Beginn

  • Warum überhaupt ein eigenes kleines Häuschen?
  • Was will ich eigentlich für mich damit erreichen?
  • Was ist das Ziel meines Projekts? Wo will ich hin?
  • Was ist das Ziel der Planung? Was wünsche ich mir an Beratung?
  • Wann will ich mein Projekt umgesetzt haben?
  • Was darf es maximal kosten?

Schritt 2: Hersteller finden

  • Gespräch mit Thomas Scheimer vom Zinipi (Amberg)
  • Besichtigung Zinipi Wagen (Amberg)
  • Gespräch mit Wohnwagon-Team (Wien)
  • Probewohnen im Wohnwagon (Österreich)
  • Gespräch mit Wohlwagen-Team (Göttingen)
  • Probewohnen im Wohlwagen (Berlin)
  • Vor- und Nachteile abwägen
  • Prioritätenliste erstellen

Schritt 3: Grundstück / Stellplatz suchen

  • Wo will ich eigentlich (geografisch) leben? Weiterhin im Großraum Frankfurt oder doch lieber wieder im nördlichen Deutschland?
  • Will ich mir ein eigenes Grundstück kaufen? Oder brauche ich „nur“ einen Stellplatz?
  • Welche Form von Gemeinschaft suche ich?
  • Welche Bedingungen soll der Platz erfüllen?
  • Wenn der Platz gefunden ist: Welche Unterlagen gibt es schon? Bestandsplan, Flächenwidmung, Bauvorschriften,…
  • Wie sind die Gegebenheiten am Grundstück: Stromanschluss? Wind? Sonne? Wasser?
  • Wo steht die Sonne?
  • Wo gibt’s Wasser/Wind/Schatten?
  • Wo können Plätze entstehen? Gemeinschaftsplätze mit anderen, öffentliche Plätze, Feuerstelle, Beerenhecke, ein kleiner Teich…?

Schritt 4: Welche Wohnbedürfnisse habe ich?

  • Was will ich und was brauche ich? Das ist ein Unterschied!
  • Was mache ich gern? Wie oft? Und was nicht?
  • Wie erhole ich mich am besten?
  • Wie arbeite ich?
  • Welche Bereiche kann ich doppelt nutzen? Aus dem Büro wird z.B. mit ein paar Handgriffen der gemütliche Essplatz, aus der Kuschelecke das Bett usw.
  • Kann ich mit Podesten und unterschiedlichen Ebenen zusätzlichen Stauraum schaffen?
  • Wie viel Stauraum brauche ich eigentlich und für was?
  • Wie groß soll mein Häuschen sein? (das führt mich weiter zu Schritt 5)

Schritt 5: Was besitze ich eigentlich und was brauche ich davon wirklich?

  • Wie viele von den 10.000 Gegenständen, die ich als durchschnittliche Europäerin besitzen soll, kenne ich eigentlich?
  • Wie viele nutze ich tatsächlich? Und wie oft?
  • Was davon nutze ich täglich? Was liegt schon seit Ewigkeiten herum?
  • Was habe ich schon länger als 12 Monate nicht benutzt?
  • Was davon brauche ich wirklich für ein gutes Leben?
  • Was kann ich weggeben? Was belastet mich?
  • Wie viel Stauraum brauche ich für die Sachen, die ich mitnehmen will?

Schritt 6: Das Häuschen planen!

  • Welche Materialien will ich verwenden?
  • Wie dick dürfen/müssen die Wände sein: Wärmedämmung?
  • Wie autark will ich leben: Strom, Wasserkreislauf, Bio-Toilette, Heizung, Internet?
  • Wie viel Platz brauche ich wofür: Für Stauraum, aber auch für Beschäftigungen wie Meditation, Sport, Arbeit, Kochen?
  • Wie groß soll und wie klein darf das Häuschen maximal sein?
  • Welche Möbel will ich mitnehmen: Bett, Esstisch, Sofa?
  • Welche Wohnbereiche sind mir wichtig: Schlafen, Wohnen, Kochen, Bad, Arbeiten?
  • Wo soll es offen sein und wo möchte ich Abgrenzung?
  • Wie viel Luxus wünsche ich mir: Waschmaschine, Herd, Kühlschrank, Backofen?
  • Wo sollen Fenster sein? Wo Lampen?
  • Wie soll der Außenraum gestaltet sein: Terrasse, Garten etc.?

Schritt 7: Wie viel Strom brauche ich?

  • Welche Stromverbraucher habe ich eigentlich?
  • Welche müssen mit ins Häuschen? Welche nicht?
  • Welche Leistung (in Watt) haben die einzelnen Stromverbraucher?
  • Wie viele Stunden pro Tag sind sie in Betrieb?
  • Wie hoch ist der tägliche Energieverbrauch in Wattstunden (Wh) pro Verbraucher?
    Beispiel: Der Laptop (120 W) ist am Tag durchschnittlich 1,5 Stunden in Betrieb. Energieverbrauch pro Tag: 120 W x 1,5 h = 180 Wh. Oder: 2 Stück 20W Energiesparlampen sind 4,5 Stunden in Betrieb: 2 x 20 W x 4,5 h = 180 Wh.
  • Wie viel Strom muss dementsprechend eine Photovoltaik-Anlage pro Tag liefern?

Wichtig: Die PV muss etwas mehr produzieren, als benötigt, da beim Wechselrichter und beim Be- und Entladen der Batterie Umwandlungsverluste auftreten: 10% Puffer zusätzlich einrechnen: Tagesverbrauch / 0,9.

  • Wie hoch ist der Jahresbedarf?
    Beispiel Laptop: 180 Wh / 0,9 = 200 Wh pro Tag. Multipliziert mit 30 ergibt das den Energiebedarf pro Monat. Diesen mal 12 = Jahresbedarf: 72.000 Wh.
  • Wie viel Watt benötigen die Verbraucher, wenn alle gleichzeitig eingeschaltet sind?
  • Wie groß muss meine PV-Anlage dimensioniert sein?
    Aus dem Jahresprofil ergibt sich der Bedarf der Solarmodule, der Batterie und der weiteren Geräte, wie der Leistung des Wechselrichters. Der nächste Schritt für die Dimensionierung einer autarken Photovoltaikanlage ist die Ertragsprognose für den Wohnstandort. Dafür gibt es schon einige Tools, wie die kostenlose Internet-App PVGIS, die eine monatliche Ertragsprognose berechnen.
  • Was brauch ich wirklich? Wo und wie kann ich den Stromverbrauch reduzieren?
    • Kochen:
      Der Elektroherd ist im Haushalt meist der größte Stromverbraucher. Alternativen: Spiritus- oder Ethanolkocher, Holzhofen, Gasherd
    • Stromsparende Produkte – z.B Waschmaschine:
      Normalerweise wird das Wasser der Waschmaschine und des Geschirrspülers kalt zugeleitet und muss mit Strom auf 30°C – 90°C erwärmt werden (ca. 80% des Energieverbrauchs). Mit einem Vorschaltgerät die Waschmaschine direkt an’s Warmwasser anschließen, zwei Sensoren stellen das richtige Mischverhältnis mit Kaltwasser sicher. So braucht man für einen Waschgang nur einen Bruchteil der Energie!
    • Stormlose Produkte:
      Viele wichtige Geräte gibt’s auch als stromlose Alternative. Hier bedarf es sicher noch einiger Recherche…

Erkenntnis des Tages:
Es gibt viel, was ich schon jetzt konkret tun kann, auch wenn ich noch nicht weiß, WO mein Häuschen stehen und WIE es ausgeführt werden soll! Ich sollte einfach mal loslegen…

Nie ist zu wenig, was genügt.

Seneca

Hersteller
Smart House – Modulare Fertighäuser (Löhne, Deutschland)
Holz100-Mobilie – Thoma Holz (Goldegg, Österreich)
Zinipi – Tiny House aus Holz100 (Amberg, Deutschland)
Wohnwagon – Das „natürliche“ Tiny House (Wien, Österreich)
Wohlwagen – Tiny House auf Rädern (Göttingen, Deutschland)

Baumaterialien
Wohnen Sie gesund – OSB-Platten
Verseuchter Öko-Kindergarten – ZDF Länderspiegel
Schraub-Pfahl-Fundamente – Deutsche Schraubfundament Gesellschaft