Hey Baby, ich sag Goodbye…

…zur Lebensänderungsschneiderei, ich bin doch kein Schnarcho,“ singt Udo Lindenberg in „Plan B“. Udo ist mein „Wer“. Weil er das tut, was ich auch in meinem Leben tun will: Auf der Bühne stehen. Der macht das einfach. Rausgehen, sagen „Hallöchen, hier bin ich“, und loslegen. Mit dem, was er am besten kann. Das ist nicht unbedingt singen… er ist sicher nicht der beste Sänger, den die Welt je gehört hat, aber er ist – für mich – einer der besten Songschreiber, ein Wort-Virtuose, der mich tief im Inneren trifft – immer locker vom Hocker und einfach einfach – ja, so isses… Immerhin hat er dafür schon das Bundesverdienstkreuz bekommen und den Jacob-Grimm-Preis: „Udo Lindenberg hat aus der deutschen Sprache sein Ding gemacht“, sagte der Publizist Matthias Matussek in seiner Laudatio. Ja, „sein Ding“ macht er und besingt er und macht mir damit Mut:

„Und ich mach‘ mein Ding
egal, was die andern sagen
Ich geh‘ meinen Weg
ob grade, ob schräg
das ist egal
Ich mach‘ mein Ding
egal, was die andern labern
Was die Schwachmaten einem so raten
das ist egal
Ich mach‘ mein Ding…“
Udo Lindenberg

„Mein Ding“ – das ist eins der Lieder, die ich höre, wenn ich mich mal wieder selbst motivieren muss. Wenn ich durchhänge und mal wieder nicht an mich glaube und das Gefühl habe, „nichtiger Sternenstaub“ zu sein…

„Und jetzt kommst Du aus der Provinz,
und wenn auch jeder sagt, du spinnst
du wirst es genauso bringen.
Mach’s auf die charmante Art
mal elastisch, manchmal hart,
manchmal musst du das Glück auch zwingen.“
Udo Lindenberg

Ja, wer bin ich denn, dass ich glaube, es NICHT „zu bringen“? Dass ich glaube, NICHT großartig zu sein, brillant, wunderschön, talentiert und fantastisch? „Du dienst dieser Welt nicht, wenn Du Dich klein machst“, schreibt Marianne Williamson in „Die Rückkehr zur Liebe“. Keine Ahnung, ob Udo das Buch kennt, anyway, er lebt es einfach. Wahrscheinlich einfach aus sich selbst heraus, ohne all diese Gedanken, die ich mir immer dazu mache, um mir zu erlauben „einfach ich zu sein“. Aber um einfach ich zu sein, muss ich ja erst mal wissen, wer ich eigentlich bin… Gestern bin ich über einen Text gestolpert, der mich sehr berührt hat, um dann mit Erstaunen festzustellen: Das bin ja ich!

„Deine Schönheit sehen andere oft erst auf den zweiten Blick –
es lohnt sich, hinter die Fassade zu schauen!
Hinter Deiner kontrollierten Erscheinung steckt so viel Zartheit,
die ein Schlüssel ist zu deinem Leben.

Ich wünschte, Du könntest Dich durch meine Augen sehen,
um zu sehen, dass alles genauso richtig ist, wie Du bist!

Manchmal schaust Du mich mit Deinen großen Augen völlig fassungslos an.
Dabei sind Deine (von Dir ernannten) Fehler das,
was Dich noch charmanter und schöner macht!

Wie kraftvoll und verrückt Du bist, wenn Du Dich von „das muss“ frei machst.

Was Du Dich dann alles traust!
Und ich geh sofort mit Dir mit!

Dein Verständnis für sämtliche, auch ‚schräge‘ Dinge,
die Du schnell mit Deinem großen Herzen erfasst, ist so tröstend.

Und wenn Du von Herzen lachst, lachst bis die Tränen kommen:
Ja, dann ist die Welt in Ordnung…

Nicole Lohmann und Dominik Kesenheimer
(„Ode an die Persönlichkeitstypen – Handlungstyp 1“)

Es fällt mir so schwer, diese Zartheit in mir selbst überhaupt zu erkennen – und zuzulassen. Sie nicht weiter hinter diesem über Jahre angefressenen Panzer aus Härte gegen mich selbst und den Rest dieser so unbarmherzigen Welt, zu verstecken. Dabei bin ich doch so kraftvoll und verrückt, wenn ich mich vom „müssen“ frei mache… Wenn es mir egal ist, was die andern sagen… wenn ich einfach ich bin und mein Ding mache: auf die charmante Art, mal elastisch, manchmal hart. Einfach sein. Wie Udo. Immer ein bisschen schräg: Udo zum Beispiel malt ja auch – in seiner höchst eigenen Technik – die von ihm so genannten „Likörelle“. Hier mischt er diverse Liköre mit Acrylfarben und malt damit höchst farbenfrohe Aquarelle, bei denen man das Gefühl hat, das Auge badet direkt in Blue Curacau, Absinth oder Eierlikör… Das ist so schräg, darauf muss man erst mal kommen! Udo selbst sagt dazu: „Bilder sollen Spaß machen, bis der Hut wegfliegt!“

„Wirke auf andere durch das, was du bist.“
Wilhelm von Humboldt

 Ach, Udo… Du inspirierst mich so sehr! Und machst mir Mut, die zu sein, die ich wirklich  – ganz tief in mir – bin. Du machst mir Mut, endlich wieder verrückt zu sein, schräg zu sein, mit großem, weitem Herzen; weich zu sein, zart zu sein und laut zu lachen, bis mir der Hut wegfliegt… egal, was die andern sagen. Du machst mir Mut, auf andere einfach durch das zu wirken, was ich bin…

Du bist ein großartiger „Wer“. Und vielleicht traue ich mich auch mal, irgendwann, nach Hamburg zu fahren, ins „Atlantic“ zu spazieren und Dich ganz nonchalant zu fragen: „Du, Udo, wie machst Du das eigentlich, einfach so Du zu sein? Und wie geht das mit der Bühne?“ Und Du sagst: „Hallöchen, ein Eierlikörchen?“ Und wir reden über dies und das und das Sosein und so… Ich glaube, wir haben viel gemeinsam, das Zartsein – und den Panzer: „Sensibilität ist ein ganz hohes Gut. Sensibilität, die ich aber auch oft schütze durch einen Panzer der Coolness. Viele Leute kratzen an mir rum. Die kommen mit dem Messer und wollen an meine Seele ran und ritzen. Aber wenn du ewig deine Seele aufklappst, kann sie Schaden nehmen. Irgendwann habe ich mir vorgenommen, einfach cool zu sein.“ – „Kann man cool sein tatsächlich lernen?“ –„Lies Hermann Hesse, „Siddharta“: Nicht sofort rumrennen, erst mal denken, dann tun. Mach es auf die charmante Art, mal geschmeidig, manchmal hart. Mach dein Ding. Leicht wie eine Feder und dann da irgendwie durch.“ (aus  „Hinterm Lebenswerk geht’s weiter, ne“, Welt am Sonntag, 09.01.2011)

Udo, Du bist wirklich eine coole Socke. Und ich auch, irgendwie. Ich komm nur viel zu selten dazu… Doch das werde ich jetzt ändern, denn, Udo, ich mach’s jetzt mehr wie Du: „Ich sag Goodbye zur Lebensänderungsschneiderei“ und mach einfach mal nur mein Ding, „weil’s wirklich ganz schön geil ist, einfach nur ich zu sein“…

 

Plan B
Schon als Kind, das war doch klar
check ich meine DNA – hab ’ne ganz geile Matrix
Den Planeten kaum betreten, da fingen sie schon an
an mir rumzukneten – doch da lief ja gar nix

Navigator eingestellt
werd mein eigener Chef in dieser Welt
dass das mal klar ist

Hey Baby, ich sag Goodbye
zur Lebensänderungsschneiderei
ich bin doch kein Schnarcho…
mehr so’n Anarcho

Und sie versuchen’s immer wieder
(doch) Sorry, das bin ich nicht
nicht in diesem Leben…

Und ich werde mich nicht ändern
werd kein anderer mehr sein
ich habe tausend Pläne
der von euch ist nicht dabei

Ich werde mich nicht ändern
werd kein anderer mehr sein
weil’s wirklich ganz schön geil ist
einfach nur ich zu sein
einfach ich zu sein“

Text: Udo Lindenberg, Sera Finale, Sonja „Schwessi“ Schwabe, Sandi Strmljan, Justin Balk

 

Videos
Einfach ich sein – Udo bringt es auf den Punkt
Plan B – Das offizielle Video