Fortsetzung: Willst Du glücklich sein im Leben…

Mein persönlicher 10-Punkte-Plan zur Glückseligkeit und wie ich James Dotys „Konzept von Mitgefühl, Würde, Gleichmut, Vergebung, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Integrität, Gerechtigkeit, Güte und Liebe“ verstehe und lebe: Teil 1

Mitgefühl
Mitgefühl heißt, ich fühle mit einem anderen Menschen; ich fühle, was der andere spürt. Und Mitgefühl heißt dann natürlich auch, ich handle, indem ich die Gefühle des anderen mit in Betracht ziehe. Mitgefühl hängt auch zusammen mit Hilfsbereitschaft, der Bereitschaft, bewusst anderen zu helfen. Ohne etwas dafür zu erwarten. Mitgefühl heißt für mich auch, weniger in die eigene Opferrolle zu gehen und andere für mein Elend verantwortlich zu machen; Mitgefühl für diejenigen zu haben, die mir etwas angetan haben. Sie hatten Gründe und in den wenigsten Fällen wollten sie mir wirklich etwas Schlechtes. Meistens wollten sie nur sich selbst schützen. Wer bin ich, darüber zu urteilen? Mitgefühl heißt für mich auch, zu überlegen: „Was kann ich für andere tun?“ Hineinzuspüren, was mein Gegenüber gerade braucht, und dementsprechend zu handeln: Der gestressten Kassiererin im Supermarkt einen schönen Tag zu wünschen. Der Freundin, die gerade an sich und dem Leben zweifelt, zu sagen, wie schön sie ist und wie schön es ist, dass es sie gibt. Dem Bettler auf der Straße etwas zu geben und ihm freundlich zuzunicken und ihm damit zu zeigen: Ich sehe Dich. Es geht nicht um „Mitleiden“. Wenn ich Leid bei anderen wahrnehme und bloß in empathische Resonanz damit gehe, führt das zu empathischem Stress, zu Mitleid. Das ist das, was viele Menschen in „helfenden“ Berufen empfinden, wenn sie das Leid der anderen nicht mehr aushalten oder abends mit nach Hause nehmen. Mit (altruistischer) Liebe und Mitgefühl kann ich dagegen Mitleid konstruktiv in praktische Hilfe verwandeln. „Mitfühlen“ heißt für mich, zu spüren, was der andere spürt, aber nicht seine Gefühle zu meinen zu machen. „Mitfühlen“ heißt, wahrzunehmen, was an Leid da ist und zu tun, was ich – im Rahmen meiner Möglichkeiten – für den anderen tun kann. Das hilft mir, aus meinem eigenen Egoismus, meinem Leistungs- und Anspruchsdenken herauszukommen; es hilft mir, mich selbst nicht mehr als Opfer der Umstände zu sehen und selbst Verantwortung für mein Glück zu übernehmen.

Würde
Würde ist ein für mich schwer zu fassender Begriff. Der Duden definiert Würde als „Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt, und die ihm deswegen zukommende Bedeutung“ sowie als das „Bewusstsein des eigenen Wertes [und die dadurch bestimmte Haltung]“. Würde ist die Frage danach, wer ich bin und was für ein Mensch ich sein möchte. Der Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt es so: „Dieses Bild davon, was ich eigentlich für ein Mensch sein will, ist ein übergeordnetes Bild. Dieses Bild steuert alle darunter liegenden Handlungen. Und für dieses Bild haben wir im Deutschen das Wort Würde.“ Um dauerhaft glücklich zu sein, ist es also wichtig zu wissen, wer ich bin und ein Bild davon zu haben, wer ich sein will. Dabei geht es für mich auch darum, mich anzunehmen, wie ich nun mal bin, mit all meinen hellen und dunklen Seiten. Es geht für mich darum, zunächst neugierig und offen – ohne jede Bewertung – herauszufinden, wer ich eigentlich bin. Grundlagenforschung sozusagen. Dieser Prozess kann sehr schmerzhaft sein, wenn ich neben all dem Tollen, was mich ausmacht, eben auch schonungslos meinen Schattenseiten ins Auge blicken muss… Wenn ich das überlebt habe, kommt der zweite Schritt: Wer möchte ich denn sein? Hier geht es nicht um grundsätzliche Veränderungen, sondern viel mehr um ein Bewusstmachen meiner Persönlichkeit: Das, was „gut“ ist an mir zu (be)stärken und damit kraftvoller in dieser Welt zu wirken; das, was „dunkel“ ist in mir, zu erhellen – sichtbar zu machen – und es damit zu wandeln, zu transformieren. Es geht nicht darum, meine „schlechten“ Eigenschaften „wegzumachen“. Sie zu transformieren ist das Entscheidende. Wenn ich z.B. oft wütend bin, dann geht es nicht darum, die Wut „wegzumachen“ und nur noch liebevoll in der Gegend rumzulächeln. Es geht darum, die Qualität der Wut zu erkennen. Wut ist ein Nicht-Einverstanden-Sein mit dem was ist und ist eine wichtige Voraussetzung für aktive Veränderung. Ich kann meine Wut-Energie nehmen – diese sehr aktive, antreibende Energie – und sie in konstruktives Handeln transformieren, verwandeln. Das geht aber nur, wenn ich mir meiner Wut bewusst bin und wenn ich anerkenne, dass sie da ist und das es okay ist, dass sie da ist. Dann kann ich das Bild, das ich von mir habe, verändern: dann werde ich z.B. von jemandem, der oft wütend ist, zu jemandem, der gern Veränderungen anschiebt. Ich bin dann kein anderer Mensch geworden, aber ich bin mir meiner selbst – meines Selbst – bewusster. Das ist Würde. Und das Tollste ist: Diese Würde ist unantastbar (Artikel 1 des Grundgesetzes), mein So-Sein ist unantastbar. Ich bin wie ich bin. Und es ist okay. Gleichzeitig heißt das aber auch, mich darauf nicht auszuruhen, sondern immer auch daran zu arbeiten, aus mir das zu machen, was ich darüber hinaus alles noch sein könnte und zu schauen, was ich noch beitragen kann, zum Wohle der Welt.

Gleichmut
Gleichmut ist ein Synonym für Gelassenheit. Gleichmut heißt für mich, sich nicht von vermeintlich schlimmen äußeren Umständen aus der inneren Ruhe bringen zu lassen, also gelassen zu sein. Gelassenheit bedeutet eben auch, die Dinge so zu „lassen“, wie sie sind: Es ist wie es ist. Wenn ich gleich-mütig bin, ent-mutigen mich Missgeschicke und Fehler nicht, die mir passieren und auch euphorische Gefühle und Erfolge er-mutigen mich nicht sonderlich. Nichts kann mich erschüttern und aus der Ruhe – aus meinem inneren Gleichgewicht – bringen. Alles ist gleich-gültig. Ich bin freundlich zu anderen und zufrieden mit mir selbst und dem, was ist. Egal, was ist. Diese Haltung unterstützt mich, mit dem ewigen und immerwährenden Auf und Ab des Lebens gut zurechtzukommen, ohne das mich Ereignisse aus der Bahn werfen. Es hilft mir sehr, mir immer wieder zu sagen: Auch das geht wieder vorbei. Ich sitze im tiefsten Tal und habe das Gefühl, dass es NIE wieder gut werden wird… Ich sage mir: Auch das geht wieder vorbei. Ich könnte platzen vor Glück und wünsche mir, dass das NIE wieder anders sein wird… Und ich sage mir: Auch das geht wieder vorbei. Im Leben geht es runter und wieder rauf, runter und wieder rauf, ein ewiger Rhythmus. Ich kann mich von den jeweiligen Ereignissen und den daraus entstehenden Gefühlen hin und her schleudern lassen, mich ihnen ausliefern, mich zum Opfer machen. Oder ich kann mich in Gleichmut, in Gelassenheit üben und sagen: Auch das geht wieder vorbei. In dem ich akzeptiere: Es ist wie es ist. Und es kommt sowieso wie es kommt.

Vergebung
Ich vergebe, wenn ich akzeptiere, dass das, was geschehen ist nun mal geschehen ist. Es ist, wie es ist. Und es ist eben auch wieder vorbeigegangen. Es nutzt niemandem, weiter in Gedanken daran zu hängen, was man selbst oder jemand anderes hätte anders machen können / sollen / müssen. Vergebung heißt für mich, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen. Ich halte es mit Albert Einstein: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Es geht darum, das, was geschehen ist, als mein Leben anzunehmen; als die Ereignisse anzunehmen, die nun mal passieren zwischen meiner Geburt und meinem Tod. Vermeintliche Schuld – die anderer oder meine eigene – verwandelt sich in das Annehmen dessen, was ist. Vergebung kann geschehen. Ich gebe die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit auf, die nicht mehr zu ändern ist. Und ich nehme damit die Verantwortung für mein Leben an, es in Zukunft „besser“ zu machen. Wenn ich die ewig kreisenden Gedanken an die Vergangenheit und wer hat an was Schuld loslasse, wird wieder Raum in mir frei, in dem Glückseligkeit sein kann.

Dankbarkeit
Dankbarkeit ist laut Glücksforschung einer der wichtigsten Schlüssel zur Glückseligkeit. Es ist nicht Glück, das uns dankbar macht, sondern Dankbarsein macht glücklich! Dankbarkeit ist für mich eine Liebeserklärung an das Leben. Wenn ich mich bewusst daran erinnere, wofür ich in meinem Leben dankbar sein kann, dann empfinde ich tiefe Zufriedenheit und ehrliche Freude. Wenn ich dagegen alles für selbstverständlich halte, nicht wertschätze, was ich schon habe und nach immer mehr oder immer Neuem strebe, dann empfinde ich Unzufriedenheit, weil ich ständig das Gefühl habe, im Mangel zu sein. Dankbarkeit hilft mir, die Fülle im Leben, in meinem Leben, zu sehen. Wenn ich mit dankbaren, positiven Gedanken auf das blicke, was ist, ist es für mich einfacher, glücklich zu sein, denn es fehlt nichts. Es ist genug. Das Leben schenkt mir alles, was ich brauche, um glücklich zu sein. Egal, was auch geschieht… Um mir bewusst zu machen, wofür ich dankbar sein kann, hilft es, mich immer wieder – z.B. am Ende eines jeden Tages – zu frage: Wofür bin ich heute oder gerade in diesem Moment dankbar? Hier kann ein Dankbarkeits-Tagebuch helfen. Eine schöne Idee lieferte mir hierzu Kerstin Hack mit ihrem gezeichneten Dankbarkeits-Tagebuch. Wie das aussehen kann, zeigt sie auf ihrem Blog.

„Nicht die Glücklichen sind dankbar.
Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Francis Bacon

Und weil ich wahrscheinlich über jeden der 10 Punkte dieses „Glückskonzeptes“ Ewigkeiten nachdenken könnte – was sie im einzlenen für mich bedeuten, wie ich sie verstehe, wie ich sie leben möchte -, mache ich jetzt erst mal eine Pause.

Der 2. Teil folgt in Kürze…