Eine neue Zeit?

Und wieder sind einige Wochen ins Land gegangen, seit ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe. Es war nicht die Zeit zu schreiben, für mich war eher die Zeit, zu schauen, zu beobachten. Nach außen wie nach innen. Und viel Neues gibt es auch gerade für mich nicht zu sagen. Es ist so vieles gesagt und geschrieben worden, gerade in den letzten Wochen. Daher möchte ich heute ein paar Impulse mit Dir teilen und die Bücher und Filme vorstellen, die mich in den letzten Wochen begleitet, bewegt und inspiriert haben. Allen voran ein Buch, das mich schon vor einigen Monaten „gefunden“ hat. Es ist schon recht alt (gemessen zumindest an meinem Menschenalter) und – haha – damit bin ich auch schon beim Autor: Franz Alt heißt er. Und er ist auch schon recht alt, Jahrgang 1938, aber doch kein „alter weißer Mann“, sondern schon vor 30 Jahren Wegbereiter einer neuen Zeit. Manchen wird er bekannt sein als langjähriger „Report“-Moderator in der ARD, er war einer der ersten, die an einen Weg der alternativen Energiegewinnung geglaubt und gegen die Atomenergie gekämpft haben. Sein Buch „Der Appell des Dalai Lama an die Welt“ hat mich sehr bewegt. Persönlich erlebt habe ich Franz Alt auf einem Cradle to Cradle-Kongress vor 2 oder 3 Jahren als Moderator, der trotz seines Alters immer noch an eine andere, bessere Welt glaubt und – und das ist das mutmachende – immer noch daran mitwirkt, die Welt Schritt für Schritt zu wandeln.

Nun „fand“ mich sein Buch „Jesus – der erste neue Mann“ schon vor ein paar Monaten in der Hochschule. Da lag es auf einem Tisch mit anderen Büchern, die jemand dort „zum Mitnehmen“ ausgelegt hatte. Eigentlich löste der Name „Jesus“ ja in mir immer gewisse Widerstände aus, da für mich Jesus immer gleichbedeutend war mit Kirche – vor allem katholischer Kirche – und mit Kirche hatte ich nie was am Hut. Kirche war für mich immer rückwärtsgewandt, patriarchal geprägt von Männern, die wahnsinnige Angst vor allem Weiblichen haben, dogmatisch, „allwissend“. Dabei heißt doch Glauben eigentlich nichts anderes als „nicht wissen“. Ein bisschen angenähert habe ich mich der Botschaft Jesu vor ca. 10 Jahren. Damals, passender Weise war es ein Karfreitag, kam die Frage auf, was denn eigentlich noch mal an Pfingsten gefeiert wird. Wir kamen nicht drauf, also holte ich meine alte Schulbibel und begann zu lesen. Da ich eine Schnellleserin bin, hatte ich das Neue Testament an Ostermontag durch und ich kann es wirklich nur empfehlen, das mal an einem Stück zu lesen. Da erschließen sich plötzlich ganz andere Zusammenhänge. Denn am Ende hatte ich ein anderes Bild. Ein anderes Bild von Jesus und ja, auch irgendwie von mir. Ich bin nicht gleich am nächsten Tag wieder in die Kirche eingetreten, nein, mein Bild von Kirche hat sich dadurch eigentlich nur bestätigt. Aber mein Bewusstsein hat sich verändert. Plötzlich habe ich verstanden – oder besser: eine Ahnung bekommen -, was Jesus vielleicht eigentlich wirklich gemeint haben könnte… Plötzlich war mir klar: Der hat eigentlich nie davon geredet, dass im Himmel – also nach dem Tod – alles besser wird, wenn ich nur gläubig genug war. Der hat tatsächlich immer „vom Himmel in einem selbst geredet“! Der Himmel ist nicht irgendwas, was wir NACH unserem Leben erreichen, wenn wir nur schön „gottgefällig“ gelebt haben! Nein, ich kann jeden Tag, jeden Augenblick die Entscheidung treffen, ob ich im Himmel leben will oder in der Hölle. Es ist meine Entscheidung. Jetzt. Und nicht irgendwann, später. Das habe ich damals schon als sehr eindrückliche Botschaft mitgenommen. Und die Erkenntnis, dass Jesus scheinbar von sehr vielen Menschen sehr lange ziemlich falsch verstanden wurde…

Damals habe ich mich dann ein wenig mit den christlichen Mystikern beschäftigt wie Meister Eckhart. Durch diese Auseinandersetzung habe ich zum ersten Mal verstanden, was es heißt, dass alles in allem vorhanden und alles mit allem verbunden ist. Ich will hier nur das Beispiel vom Samenkorn nennen, in dem schon der ganze Baum drinn ist, und im Baum genauso wieder ein neues Samenkorn. Es ist immer alles schon da, wir müssen es nur in die Welt bringen.

Aber ich wollte nicht nur theoretisch lesen, sondern praktisch erfahren. So meldete ich mich im Jahr 2015 zu einem Kontemplationsseminar an. Ein Wochenende nur Schweigen. In Stille gehen. In Stille sitzen, vor einer weißen Wand. 8 Stunden am Tag. Dienst an der Gemeinschaft. Klos putzen. Verstehen, dass immerwiederkehrende Arbeiten Meditationen sind. In Schweigen essen. Staunen darüber, wie laut wir Menschen eigentlich sind, wenn wir schweigen. Und erkennen, wie Kürbis eigentlich wirklich schmeckt, so ganz ohne Ablenkung und Gewürze. Ziemlich geil nämlich. Es war nur ein Wochenende, doch diese 3 Tage haben so viel in mir verändert, in Bewegung gebracht. Es waren mit die eindrücklichsten 3 Tage in meinem Leben, denn sie wirken bis heute nach. Immer wieder erinnere ich mich an das, was ich erlebt habe (und das war ja verglichen mit all den Eindrücken im Alltag gar nicht viel…). Ich habe damals vieles von dem verstanden, was Jesus vielleicht gemeint haben mag, ohne darüber nachzudenken. Nur durch die Erfahrung des „Nicht-Tuns“, des Einlassens auf die Stille in der Welt und vor allem in mir. Um am Ende zu merken, dass weder die Welt jemals wirklich still ist (weil irgendwas ist ja immer…)  noch ich. In mir toben Gedanken, immerfort. Und Gefühle. Puh, da ist vielleicht was los! Und genau darum geht es ja, zu erkennen, was da eigentlich alles in mir ist und wer ich eigentlich wirklich bin, wenn alles „im Außen“ wegfällt. Bin ich in mir im Himmel oder in der Hölle? Bin ich mit mir im Frieden oder tobt da ein Kampf? Die Wunder, die im Neuen Testament Jesus zugeschrieben werden, sind ja keine Spontanheilungen. Wenn man das Neue Testament wirklich aufmerksam liest, wird man feststellen, dass Jesus in all den „Wunder-Geschichten“ jedem, der gesund werden will sagt: „Das hängt ganz von Dir ab.“ In dem Moment, wo der Leidende sagt: „Ja, ich will gesund werden!“, da beginnt die Heilung. Das Wunder ist letztendlich die Veränderung der eigenen inneren Haltung. Franz Alt schreibt:

„Du kannst, wenn Du wirklich willst. Trau Dich! Vertrau Deinem inneren Therapeuten!
Der Weg ist das Ziel! Deine Heilung beginnt mit deinem Tun, mit deiner Arbeit.“

Das eigentliche Wunder „macht“ nicht jemand anderes, es geschieht nicht durch etwas im Außen, es geschieht immer in einem selbst. Michael Singer stellt in seinem Buch „Die Seele will frei sein“ die einzige Frage, um die es eigentlich wirklich geht im Leben: „Willst Du glücklich sein? Ja oder Nein?“ Und wenn ja, dann sei es. Tu alles, was in Deiner Macht steht und vertraue – gleichzeitig – auf eine Macht die größer ist als Du.

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Reinhold Niebuhr

Ich ersetzte das Wort „Gott“ für mich immer durch Begriffe wie „das göttliche Prinzip“, „Universum“, „Leben“, gern mittlerweile auch durch „Göttin“, nur um immer wieder festzustellen, dass das doch alles irgendwie auch nur Konzepte sind. Fakt ist, ich glaube tatsächlich an eine Macht, die größer ist als ich, wie auch immer die nun am Ende heißt. Und die Quintessenz aus allem heißt für mich:

„Trau Dich und vertraue!“

Beides ist immer gleich-zeitig. Tu, was Du tun kannst und lass, was nicht in Deiner Macht steht. Damit komme ich zum zweiten Buch, dass mich sehr bewegt und inspiriert hat in den letzten sechs Wochen: „Open Hands – Grundlagen und Praxis des Handauflegens“ von Anne Höfler. Wie kam nun DIESES Buch zu mir? Vor zwei Jahren habe ich eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin begonnen. In diesem Rahmen hatten wir ein Wochenendseminar zum Thema „Basale Stimulation“.

„Basale Stimulation ist ein therapeutisches Konzept und bedeutet die Aktivierung der Wahrnehmungsbereiche und die Anregung primärer Körper- und Bewegungserfahrungen sowie Angebote zur Herausbildung einer individuellen non-verbalen Mitteilungsform (Kommunikation) bei Menschen, deren Eigenaktivität aufgrund ihrer mangelnden Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist und deren Fähigkeit zur Wahrnehmung und Kommunikation erheblich beeinträchtigt ist, z. B. schwerst mehrfachbeeinträchtigte Menschen, Schädel-Hirn-Traumatisierte, Menschen mit hemiplegischem, apallischem oder komatösem Syndrom sowie geriatrische Patienten und Sterbende. Mit einfachsten Möglichkeiten wird dabei versucht, den Kontakt zu diesen Menschen aufzunehmen, um ihnen den Zugang zu ihrer Umgebung und ihren Mitmenschen zu ermöglichen und Lebensqualität zu erleben.“
Wikipedia (Stand: 02. Mai 2020)

Was macht man da? Man berührt den Menschen, ganz einfach – und berührend. Nun, bei diesem Seminar sprach der Leiter mich an, ob ich mich schon mal mit dem Thema „Handauflegen“ beschäftigt habe? Nee, bislang nicht wirklich. Gedacht habe ich sowas wie: „Bin ich Jesus?“ Er hat mir das oben genannte Büchlein empfohlen und mir gesagt, dass er das Gefühl hat, ich könnte eine Gabe haben. So, da stehst Du dann da mit dieser Aussage. Und dann? Hab ich das Büchlein gekauft – und es erst mal im großen Stapel der ungelesenen Bücher unter meinem Bett verschwinden lassen. Bis, ja bis Ostern dieses Jahres… Also, Ostern ist für mich scheinbar immer so ein Datum…

An Ostern ist mir das Buch wieder eingefallen, ich hab es gelesen und mich gleich zu einem Seminar angemeldet. Spannender Weise im gleichen Kloster, wo ich damals schon das Kontemplationsseminar besucht habe und ich habe mich erinnert, dass damals zur gleichen Zeit im Nebenraum ein Seminar zum Handauflegen stattgefunden hat. Was für ein „Zufall“… Anne Höfler beschreibt in ihrem Büchlein das Handauflegen als ein Prinzip der Kontemplation, als Meditation der Heilung, für den, der die Hände aufgelegt bekommt genauso, wie für den, der die Hände auflegt. Der Handauflegende „macht“ nicht die Heilung, sie oder er ist einfach nur der Kanal, durch den die Heilung – vielleicht – geschehen kann. Nicht mehr meine Wille geschieht („Ich will jetzt aber die Heilung machen!“), sondern „Dein Wille geschehe“. Sprich: Ich vertraue auf eine Macht, die größer ist als ich und ich habe keine Ahnung, wie und auf welchem Weg diese Macht Heilung geschehen lassen wird. Das einzige, was ich tun kann, ist: „Ja“ sagen (zur Heilung) und vertrauen.

Es ist so spannend,  wie sich die Themen, die mich in meinem Leben bisher so gefunden haben, immer wieder treffen und verbinden. Fusionieren sozusagen, also miteinander verschmelzen. Am deutlichsten wird mir das eben an diesem Buch über den „neuen Jesus“ von Franz Alt. Zu den Themen, die ich oben beschrieben habe, kam in den letzten 4 Jahren noch die Auseinandersetzung mit dem Thema „Weiblichkeit“. Die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ wandelte sich mehr und mehr zur Frage „Wer bin ich eigentlich als Frau?“. Und ich weiß, dass treibt viele Menschen auf die Palme. Haben wir das nicht längst überwunden? Diese „alten“ Stereotype „männlich“ und „weiblich“? Ja, ich habe da mit am lautesten ins Horn gestoßen: Männlich und weiblich, das sind doch bürgerliche Kategorien! Das ist doch alles Quatsch! Alles anerzogen! Diese Unterscheidungen gibt es doch gar nicht! Männer und Frauen sind doch grundsätzlich total gleich, bis eben auf diese klitzekleinen, doch eher marginalen biologischen Unterschiede… Nun, was soll ich sagen? Ich habe meine Meinung geändert. Punkt. Ich glaube das nicht mehr. Ich glaube, und erfahre es selbst an mir sehr deutlich, dass es „männliche“ und „weibliche“ Qualitäten gibt. In jedem Mann und in jeder Frau, aber vor allem in mir selbst. Und wenn ich „männlich“ und „weiblich“ sage, dann ist mir bewusst, dass auch das nur Namen sind, Konzepte. Aber ich habe einfach keine Lust – mehr –, mir immer neue Worte ausdenken zu müssen für Dinge, die einfach schon seit Jahrtausenden bekannt sind und halt mal irgendwann so benannt wurden. Es sind nur Worte.

Ich will dieses ganze große Thema gar nicht ausrollen. Ich möchte nur auf dieses Büchlein aufmerksam machen, in dem ein Mann – ein recht alter Mann, der auch noch katholisch geprägt ist – über Jesus als dem „ersten neuen Mann“ schreibt:

„Ich nenne Jesus den ersten neuen Mann, weil er erstmalig und einmalig Männliches und Weibliches integrierte und lebte. In der Schule von Frauen und Kindern hat Jesus kinderleichte Theologie gelernt und dann gelehrt, die das Gegenteil dessen ist, was das Christentum bis heute war. Der wirkliche Jesus ist der exemplarische Mensch, der uns einen Weg zu unserem Selbst zeigt, einen Weg aus unseren persönlichen Sackgassen.“

Was mich an diesem Buch so fasziniert ist, wie es ihm gelingt, Themen wie Integration von männlichen und weiblichen Qualitäten mit Politik – und hier vor allem der Umweltpolitik – in direkte Verbindung miteinander zu bringen! All die Themen, die mich bewegen und berühren… Und noch faszinierender ist für mich, wie aktuell es immer noch ist! Man merkt ihm die 30 Jahre kaum an. Er hat das Buch im Frühjahr 1989 veröffentlicht, noch vor der „Wende“. Er schreibt über Klimawandel, Waldsterben, kriegerische Konflikte auf der Welt und ich denke beim Lesen, es ist „heute“… Man könnte nun fatalistisch werden und sagen: „Hat sich ja seit dem auch nix geändert, warum soll ICH dann JETZT was tun“? Und doch hat sich vieles geändert, die ganze Welt eigentlich. Die DDR ist Geschichte, und warum? Weil sich damals im kollektiven Bewusstsein der Menschen etwas verändert hat. Nicht Michael Gorbatschow hat die Welt verändert, sondern seine Politik war nur möglich, weil das Bewusstsein vieler Menschen sich VORHER verändert hat. Auch das beschreibt Alt, auch wenn er damals noch nicht wusste, wie schnell das alles plötzlich gehen wird.

Und doch verläuft die Evolution des Bewusstseins der Menschheit in ganz anderen Zeitdimensionen als wir mir unserem klitzekleinen Zeithorizont von Leben überhaupt begreifen können. Und wenn wir glauben, dass unser Leben halt nur diese round about 80 Jahre dauert und wir kein Bewusstsein davon haben, dass Leben eigentlich ewig ist, ein immerwährender Kreislauf, in den „Ich“ immer eingebunden sein werde, dann kann ich schon verstehen, dass viele Menschen denken: „Ach, was soll ICH schon ausrichten? Was soll ICH schon bewirken? Und wofür überhaupt, wenn ICH es doch sowieso nicht mehr erlebe?“ Wenn Du so denkst, dann empfehle ich das Buch „Leben ohne Ende – Vom ewigen Kreislauf des Lebendigen“. Auch ein Buch, dass mich in den letzten Wochen begeistert hat…

Was kann ich aber tun, wenn ich in genau diesen Gedankenschleifen hänge, dass ich ja gar nichts tun kann und/oder dass das, was ich tue ja völlig sinnlos ist? Ich kann mir zum Beispiel die Zeitdimension vor Augen führen, in der menschliche Entwicklung bisher so abgelaufen ist. Und auch hier bringt es Franz Alt für mich sehr schön auf den Punkt:

„Es stimmt: Die Botschaft Jesu von Harmonie zwischen männlichem und weiblichem Bewusstsein ist 2000 Jahre alt, aber noch kaum realisiert. Aber was besagt das, wenn man sich den langen Atem der Schöpfung geschichtlich vergegenwärtigt? Karl Herbst hat so gerechnet: Wenn wir uns den Urknall, den Beginn der Evolution, vor 20 Milliarden Jahren vorstellen, die Urzelle vor 4 Milliarden Jahren, den Ur-Menschen vor 4 Millionen Jahren und den ersten neuen Mann, Jesus, vor 2000 Jahren, dann verhalten sich diese Zeitdimensionen wie 20 km zu 4 km zu 4 m zu 2 mm. Das heißt: Die Menschheit hat – gemessen an ihrem Anfang – seit Jesus zwei Millimeter auf ihrem Weg der Bewusstwerdung zurückgelegt. Wir sind also noch ganz am Anfang des Weges zu einem, von Jesus inspirierten Bewusstsein.“

2 Millimeter – das ist ja ein Witz! Oder? Aus unserer Wahrnehmung, in unserem Zeitempfinden – ja. Doch die Welt als Ganzes tickt da wohl anders und „denkt“ in anderen Zeitdimensionen. Wie hat der von mir sehr geschätzte brasilianische Architekt Oscar Niemeyer im gleichnamigen Film gesagt: „Das Leben ist ein Hauch.“ Und der ist immerhin 104-jährig gestorben… Ja, wir sind – das verkraftet unser Ego nur schwer – nur ein Wimpernschlag in der Geschichte der Zeit, der Menschheit. Und doch sind wir alles. Veit Lindau sagt: „Du bist nichtiger Sternenstaub und gleichzeitig das ganze Universum.“ Wie das Samenkorn, das schon die gesamten Informationen des Baumes in sich trägt. Das, was wir tun, mag klein und nichtig erscheinen. Aber es ist enorm wichtig für den Weitergang der Welt. JEDE*R von uns ist wichtig. Und dass wir was tun. Doch Jesus sagt, das reicht nicht. Es reicht nicht, DAS wir etwas tun, die Frage ist, WIE wir etwas tun! Ist das, was wir tun, lebensfeindlich oder lebensförderlich? Das ist keine Frage, die wir an „die“ Politiker abwälzen können, diese Frage können wir nur uns selbst stellen. Alt schreibt:

„Durch Tun werden wir die, die wir werden sollen und werden können. Auf die Frage, was ist Aufklärung, hat Immanuel Kant 1784 die berühmte Antwort gegeben: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Der Verstand hat uns aber gerade im 20. Jahrhundert ungeheure Katastrophen beschert. Damit aus Verstand Vernunft und aus Wissen Weisheit wird, ist eine Aufklärung der Aufklärung die Voraussetzung für ein neues Zeitalter. Deren Motto – orientiert an Jesus – müsste heißen: Habe Mut, dich deines eigenen Gewissens zu bedienen. Privat, beruflich und politisch wird sich dann vieles ändern müssen.

Gegen die atomare und gentechnologische Todesmaschinerie müssen wir Widerstand üben – Widerstand, wie ihn die Deutschen gegen die Nazis NICHT geübt haben. Einer der wenigen, die das nach 1945 begriffen haben, Martin Niemöller, schrieb:

Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschaften holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.“

Gerade diese letzten zwei Zeilen bringen mich immer zum Weinen, denn mir wird dadurch immer wieder klar, wie wenig ich eigentlich tue. Wie wenig ich trotz allem doch für meine Überzeugungen wirklich eintrete. Wie wenig ich eigentlich wirklich tue, für meinen Traum von einer besseren Welt… Und gleichzeitig tröstet mich, dass Alt schreibt „Widerstand üben“ und nicht „leisten“. Das ist so viel milder. Ich „darf“ üben, mich darin üben, jeden Tag ein kleines Stückchen besser zu werden. Ich bin keine Greta Thunberg, ich bin keine Sophie Scholl. Ich wäre es so gern, aber auch mir, zu der so viele sagen, dass ich so mutig bin, fehlt es oft an Mut. Auch ich bleibe oft lieber in meiner warmgefurzten Höhle der Bequemlichkeit sitzen. Und gleichzeitig weiß ich aber auch, dass das auch wieder nicht stimmt. Das, was ich tue, ist nur viel kleiner, aber dafür nicht weniger wert. Ich versuche halt, in meinen Möglichkeiten, so gut es eben gerade geht, wahrhaftig zu sein. Und Franz Alt’s Worte machen mir Mut, diesen – meinen – Weg unbeirrt weiter zu gehen:

„In dieser Situation fragen viele: Ist nicht jede Mühe um Rettung zu spät? Die Frage ist verständlich wie grundsätzlich falsch. Für Menschen ist es NIE zu spät. Wenn EIN zur Selbsterkenntnis Aufgewachter im Laufe eines Jahres EINEN weiteren überzeugt, sind es ZWEI. Wenn diese im nächsten Jahr je wieder einen überzeugen, sind es nach zwei Jahren VIER. Wenn diese im dritten Jahr je wieder einen usw., dann sind es nach zehn Jahren TAUSEND, nach 20 Jahren EINE MILLION und nach 30 Jahren EINE MILLIARDE.
Das reicht!

Die Heilung der Welt gelingt durch die Heilung vieler einzelner.
Und für diese Heilung, für das Heil-Werden sind wir allein und sonst niemand verantwortlich.“

Also mache ich weiter, was ich schon so lange tue: Ich gehe meinen Weg der Heil-Werdung auf allen Ebenen. Für mich. Und für die Welt. Und wenn ich DICH vielleicht mit dem, was ich hier so schreibe, inspiriere und berühre, dann hab ich doch meinen Auftrag – zumindest für heute – erfüllt…;o)

 

Bücher
Jesus – der erste neue Mann – Franz Alt

Der Appell des Dalai Lama an die Welt – Ethik ist wichtiger als Religion – Franz Alt

Open Hands – Grundlagen und Praxis des Handauflegens – Anne Höfler

Leben ohne Ende – Der ewige Kreislauf des Lebendigen – Bernd Heinrich

Im Internet
Sonnenseite – Ökologische Kommunikation mit Franz Alt

Video-Blog – Rad der Transformation – Ursula und David Seghezzi (uma institut)