Die Sache mit dem Holzhäuschen…

Wie soll denn dieses eigene kleine Häuschen überhaupt aussehen? Es soll aus Holz sein, aus Massivholz. Ohne Leim und andere Giftstoffe. Es soll gesund sein. Krank macht schon so vieles, was wir so produzieren… Es soll ökologisch sein, kein Sondermüll wie so viele Häuser heutzutage. Und es soll wenig Energie verbrauchen, und wenn, dann nur solche, die „nachwächst“ oder immer zur Verfügung steht und das Klima nicht verpestet. Es soll ein Holz100-Haus sein. Von diesem Konzept bin ich überzeugt. Die Firma Thoma fertigt dieses Produkt und hat auch ein Konzept entwickelt für Leute wie mich, die minimalistisch leben möchten und die gern „unterwegs“ sind – oder solche, die nicht gern „immobil“ sein möchten: Die Mobilie. Hier kann ich mir mein Häuschen in Modulbauweise zusammenstellen und es bei Bedarf auch wieder auf einen LKW laden, wenn ich irgendwann vielleicht doch woanders leben möchte.

Ideal für solche wie mich! Gerade bin ich dabei, den Grundriss zu entwickeln. Gar nicht so einfach. Ich stelle fest, dass das mit dem Minimalismus doch eine große Herausforderung ist… Es ploppen immer neue Fragen auf: Wie viel qm brauche ich? Wird es ein wirkliches „Tiny House“ oder doch einfach nur ein „sehr kleines Haus“? Schnell ist mir klar, ein „Tiny House“ wird es nicht. Im deutschen Sprachgebrauch sind damit meist die aus den USA bekannten, kleinen Häuschen auf Rädern gemeint. Da die deutsche Straßenverkehrsordnung Anhänger bis 4 m Höhe und 2,55 m Breite ohne Sonderzulassung gestattet und sich Längen über 7 Meter nicht wirklich bequem im Straßenverkehr bewegen lassen, ist die Größe für ein „Tiny House“ dementsprechend auf ca. 18 qm festgelegt. Das ist mir allerdings zu klein, wie ich erschrocken feststellen muss. Denn gerne würde ich natürlich so reduziert wie irgend möglich leben wollen. Inspiriert hat mich hier eine Frau, die schon vor Jahren in ein 16 qm großes Blockhaus gezogen ist und hier sehr minimalistisch lebt: Anne Donath. Ihr Buch „Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann“ ist mir schon vor einigen Jahren in die Hände gefallen  und war ein Impuls von vielen auf dem Weg zu meinem Holzhäuschen. 16 qm sind mir aber dann doch zu wenig und ich muss ehrlich ergänzen: Ich möchte so reduziert leben, wie es MIR möglich ist. Und auch die 18 qm eines „Tiny Houses“ reichen mir nicht. Also wird es ein „Minihaus“. Aber wie groß soll das denn nun werden? Ich orientiere mich hier an den Regelungen zum Energieausweis: Für Neubauten ist ein Energieausweis mittlerweile Pflicht, allerdings NICHT für Wohngebäude mit einer Nutzfläche von unter 50qm. Also wird mein Häuschen in der Größe darunter bleiben.

Ein Modul der Mobilie hat ca. 18 qm Fläche. Zwei Module 36 qm. Und drei Module 54 qm. Damit sind drei Module eigentlich schon zu „groß“… Aber ich muss ja hier nicht die volle maximale Größe eines Moduls ausschöpfen und kann mit der Größe spielen. Puh, aber 50 qm sind ja nicht die Welt… Wie soll ich denn meinen ganzen Kram da unterbringen? Ich hab schon gar nicht mehr so viel, da ich schon seit 2 Jahren auf dem Weg bin, mich von vielem Unnötigen zu trennen und mein Herz nicht mehr an Dinge zu hängen. Ich habe z.B. alle meine CD’s, MC’s und Schallplatten, an denen mein Herz hing, digitalisiert und auf einer Festplatte gespeichert und die entsprechenden Datenträger im Internet verkauft. Von dem Geld habe ich mir einen MP3-Player gekauft und einen mobilen Bluetooth-Lautsprecher. Seitdem höre ich so viel Musik und Hörbücher wie nie zuvor! Auch auf Reisen habe ich so meine ganz persönliche Auswahl praktischer Weise immer dabei. Darüber hinaus trenne ich mich peu à peu immer mehr von Büchern, in die ich schon Jahre nicht mehr reingeguckt habe und stelle sie in diese wundervollen öffentlichen Bücherschränke, die es mittlerweile in jedem Frankfurter Stadtteil gibt. Auch meine Klamotten reduziere ich immer mehr und gebe wenig Getragenes zu Oxfam. Vor allem, wenn ich mir etwas Neues kaufe. Allerdings hilft mir die Regel, alles weg zu geben, was man ein Jahr nicht mehr anhatte, nicht… Ich trage manche Sachen 2-3 Jahre nicht und dann wieder voller Leidenschaft ständig. Mir hilft da eher die Frage: „Macht mich diese Hose, dieses Shirt, diese Jacke glücklich?“

Auch andere Gegenstände im Haushalt mustere ich mehr und mehr aus. Die Vorstellung „mit leichtem Gepäck“ durch mein Leben zu reisen finde ich grundsätzlich sehr charmant… Aber trotzdem bleibt natürlich immer noch viel übrig, was ich auf unter 50 qm unterbringen möchte. Darum überlege ich gerade nicht nur im Grundriss, wo denn welche  Möbel stehen sollen, sondern auch, wie viel Raum ich in der Höhe brauche, sprich, wie hoch müssen Schränke und Regale sein. Somit zeichne ich nicht nur Grundrissvarianten, sondern auch die Ansichten der Innenräume. So wächst mein Häuschen in meinen Gedanken immer mehr und wird immer realer. Manchmal denke ich, es steht schon… Aber so schnell geht es nicht. Leider, sagt die Ungeduldige in mir… Zum Glück, sagt die, die sich gern in allem sehr, sehr sicher sein möchte… Denn gleichzeitig zu all der Euphorie in mir gibt es auch immer wieder die Gedanken, die durch meine Ängste und Befürchtungen getrieben sind: „Will ich das wirklich? Will ich wirklich allein in einem so kleinen Häuschen irgendwo draußen leben? Habe ich nicht – wenn ich ehrlich bin – viel zu viel Schiss? Vor meiner eigenen Courage?“ Ja, und diese Fragen sind wichtig. Denn sie zeigen mir immer wieder meine ganz tief sitzenden Urängste, die im normalen Alltag gar nicht den Raum haben, sich zu zeigen. Aber sie sind da. Immer. Und diese Sache mit dem Holzhäuschen ist eine wunderbare Gelegenheit, dass ich mich ihnen stelle. Jeden Tag ein Stückchen mehr…

Wir haben nichts zu verlieren, außer unserer Angst.

Ton Steine Scherben
(„Der Traum ist aus“)

Links
Thoma – Holz100
Mobilie – Holz100

Buch
Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann – Bericht über ein einfaches Leben“
Anne Donath