Wenn meine Seele ein Haus wäre…

Die Überschrift hab ich aus einem Artikel der Zeitschrift „Vital 09/2017″ gemopst, die ich vor einiger Zeit beim Arzt gelesen habe… Gerade fiel mir der Artikel wieder in die Hände und ich dachte: „Wie passend!“ Denn die Sehnsucht nach diesem – meinem – kleinen Häuschen ist ja auch die Sehnsucht, meiner Seele ein Zuhause zu geben. Es heißt zwar, der Körper ist das Haus der Seele, aber der Körper braucht ja auch ein Zuhause, einen Ort der Geborgenheit, eben ein Haus.

Wenn ich mein Seelenhaus – so, wie es jetzt gerade aussieht – malen würde, dann wäre es ein großes, graues Hochhaus mit vielen Stockwerken und Räumen. Ich hetze eigentlich permanent durch dieses Hochhaus und versuche, irgendwie in all den Räumen Ordnung zu halten. Das ist schwer, weil jeder Raum für etwas anderes steht. Puh, das macht mich richtig kirre… mich nie wirklich auf etwas richtig einlassen zu können, weil mich immer der Gedanke „Nachher musst Du aber noch in Raum XY…“ behindert. Und nie habe ich das Gefühl, mal irgendwas geschafft zu haben. Da ist selten dieser „Flow“, von dem ich in meinem ersten Beitrag geschrieben habe. Es gelingt mir nicht, mich einfach mal „fließen“ zu lassen, mich in etwas zeitlos zu versenken… Immer ist da der Gedanke, was NOCH zu tun ist, was NOCH nicht erledigt ist. Und das die Zeit schon wieder nicht reicht…

Die Räume sind auch alle so voll. So vollgestopft mit Kram, weil sie so klein sind. Da ist irgendwie nie genug Platz, dass das, was da in diesem Raum ist, einfach mal wirken kann, sich entfalten kann. Manchmal denke ich, da ist einfach zu viel in diesem Seelenhaus für nur ein Leben… Aber was lasse ich weg? Von was trenne ich mich? Was lasse ich gehen? Schwierig! Wenn ich doch das alles mal in EINEM Raum sehen könnte… nicht immer in so vielen verschiedenen… Wenn ich in einem  Raum bin, sehe ich ja nicht, was noch in den anderen ist. Dann ist da immer nur das, was in DIESEM Raum ist. Irgendwie fehlt mir der Überblick über all den (Seelen)Kram. Am liebsten würde ich mal entrümpeln, alles aus dem Haus tragen, davor ausbreiten und gucken, was brauche ich davon wirklich und was kann weg. Aber irgendwie fehlt mir dazu immer die Zeit. Ich muss ja ständig durch all die Räume und Ordnung schaffen…

Das Ganze wird noch verwirrender, wenn ich frage, wo denn mein Seelenhaus überhaupt steht? Da kommt das Bild einer großen Stadt. Alles ist grau und aus Stein, genauso wie mein Seelenhaus selbst. Keine Natur, kein Baum, kein Gras, keine Blume… nur unendlich viele Menschen. Und Autos, stinkende Autos. Und wieder so viele Möglichkeiten! Was man alles in einer Stadt machen kann! Wahnsinn! Aber wann soll ich denn DAS noch machen? Ich muss ja mein Haus in Ordnung halten. Keine Zeit…

Ja, so viele Möglichkeiten… Das Leben bietet mir so viele Möglichkeiten, meine Talente und Fähigkeiten auszuleben, zu entfalten, aber wo und wie? Vielleicht hilft es mir, mal auf den Dachboden meines Hauses zu klettern. In dem Artikel steht, das Dach repräsentiert meine Werte, meine persönlichen „Leitsterne“ und all das, was für mich sinnvoll und sinnstiftend ist. Ich suche meine alten Aufzeichnungen zur Arbeit mit meinen Werten: Abenteuer, Freude, Freiheit, Vision, Lebendigkeit, Flexibilität, Klarheit, Frieden. Das ist es, wofür ich „brenne“. Spannend! Passt jetzt irgendwie nicht zu meinem aktuellen Seelenhaus… Da fühle ich mich eher unfrei, eingesperrt, fremdbestimmt, unflexibel, schwer und wirr.

In diesem Seelenhaus möchte ich zukünftig eigentlich nicht mehr leben… Also steht ein Umbau an, oder vielleicht sogar ein Umzug? Und da bin ich wieder bei meinem kleinen Häuschen. Und irgendwie wird mir noch mal klarer, warum dieses Thema so wichtig ist. Es ist nicht nur der Wunsch, meinem Körper ein reales Haus zu geben. Es ist auch die Sehnsucht meiner Seele, endlich nach Hause zu kommen. Einen inneren und auch äußeren Ort zu finden, um meine Talente zu entfalten, meine Sehnsüchte zu stillen, meine Bedürfnisse zu erfüllen. Einfach zufrieden zu sein und mir selbst wert(e)voll zu begegnen. Mein kleines Holzhäuschen wäre genau der richtige Ort, um mich – in kleinen Schritten – immer weiter an meine Werte „heranzuleben“:

  • An das Abenteuer, mich einzulassen, ohne zu wissen, was passiert…
  • An die Freude,mein ganz eigenes Ding zu machen!
  • An die Freiheit, endlich ich sein zu können!
  • An die Vision, meine Träume zu verwirklichen.
  • An die Lebendigkeit, mit mir und der Natur verbunden zu sein.
  • An die Flexibilität, mit meinem Haus einfach woanders hingehen zu können.
  • An die Klarheit, durch EINEN Raum, in dem ALLES ist…
  • An den Frieden, Zuhause zu sein.

Und woran erkenne ich, wann es Zeit zum Aufbruch, zum Umbau, zum Umzug ist? Wenn ich nach innen höre, meiner inneren Stimme lausche, die mich dahin führen will, wo ich zuhause bin, wo ich meine Aufgabe in dieser Welt erfüllen, den Sinn in meinem Leben spüren kann. Es kommt nicht darauf an, wie weit ich komme. Loszugehen ist das einzige was zählt. Mehr nicht. Und dann fügt sich alles. Also plane ich mein Häuschen – das Holzhäuschen irgendwo im Grünen und das Zuhause für meine Seele.  Und es beschleicht mich das Gefühl, dass das eine mit dem anderen irgendwie zusammenhängt…

Rabbi: „Einen Tag vor deinem Tod kehre um.“
Schüler: „Wann soll ich umkehren, ich weiß doch gar nicht, wann ich sterbe?“
Rabbi: “Siehst du, darum kehre vorsichtshalber heute um!“

Verfasser mir unbekannt

P.S. Die Arbeit mit den Werten stammt aus dem Buch „Reich und glücklich! – Wie Sie alles bekommen, was Sie sich wünschen“ von Tim Brownson und John Strelecky.